Kunst Kritik

Von der Unwiderstehlichkeit des Kapitals

NS | Lexikon | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Wenn die Kunsthalle Wien ihren großen Saal erstmals einer einzigen Filmarbeit widmet, möchte man meinen, es handle sich um eine ganz spezielle Schau. Irrtum: Der auf einer protzigen XL-Leinwand projizierte Film "Strange Magic" von Sarah Morris ist bereits 2014 zur Eröffnung des Pariser Fondation Louis Vuitton entstanden. Die britische Künstlerin folgt in ihrem Auftragswerk dem Glamour des Luxusmarkenkonzerns LVMH, der in der Errichtung des imposanten Privatmuseums von Frank Gehry gipfelt.

Der 45-minütige Film behandle "das Wesen von Luxus", meinte Morris in einem Interview. Paradoxerweise möchte sie des Pudels Kern mit Bildern von Oberflächen lüften, etwa Kamerafahrten über Glasfassaden, Nahaufnahmen aus Diors Parfumproduktion oder staubigem Jahrgangschampagner. Der vermeintliche Blick "hinter die Kulissen" ist bewusst so attraktiv gestaltet wie ein Werbungspot, dazu läuft ein cooler Soundtrack von Künstlerkollegen Liam Gillick. Als Einsprengsel des echten Lebens sollen nachts im Park gefilmte Prostitutierte herhalten, aber deren Strategien der Verführung, etwa blinkende High Heel, folgen der Ästhetik des Films.

Morris will zeigen, wie unwiderstehlich durch Luxus zum Ausdruck gebrachte Macht ist. Kritik durch Überaffirmation ist freilich ein alter Hut, seit Künstler begonnen haben, mit Unternehmen zu kollaborieren. Die Grenze zwischen Kunst und Kommerz wird bei Morris so eingeebnet - ob das nun Ehrlichkeit oder eine Unterwerfung ist, sei dahingestellt. Die Künstlerin lebt auf alle Fälle sehr gut vom Verkauf ihrer schicken geometrischen Gemälde, von denen ein einziges in der Halle hängt. Wenigstens zeigt die Schau auch noch Morris' ältere Filme, die in Großstädte wie Washington, Peking oder Rio führen, allerdings nur an gewissen Tagen und um 19 Uhr.

Kunsthalle Wien Museumsquartier, bis 8.1.


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