Menschen

Das Off-Weihnachten


Lukas Matzinger
Kolumnen/Zoo | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Leicht ist es nicht, als kleiner, freier Buchverlag im Weihnachtsgeschäft gegen das große, böse Internet anzukommen. Vergangene Woche wurde im Museumsquartier eine Friedenskerze für den Kleinbuchhandel angezündet. Die Messe für unabhängige Verlage war eine Leistungsschau der kleinen Buchhäuser. Dort konnte man schöne Bücher anschauen, darin lesen, daran riechen und sie am Ende gar noch kaufen.

Es lasen unter anderen der Soziologe Roland Girtler, Stefanie Sargnagel (zwei Zentimeter weiter links) und der Satiriker Maximilian Zirkowitsch. Der Club der Komischen Künste vergab erstmals den österreichischen Cartoonpreis. Die mit "100.000 Eurocent" dotierte Ehre ging an Katharina Greve.

Der Popstar mit dem Bühnennamen Parov Stelar spielte heuer volle Konzerte in Moskau, in Paris, in Warschau und in Seattle. Er wurde von manchen der größten Rockfestivals der Welt gebucht, vom Coachella in Kalifornien, dem Rock Werchter in Belgien oder dem Sziget in Ungarn. Zum Abschluss seines Konzertjahres kam Parov Stelar vergangene Woche heim, dahin, wo vor zwölf Jahren alles begann. Als die ersten seiner Lieder ins Tagesprogramm des öffentlich-rechtlichen Jugendsenders FM4 aufgenommen wurden.

Der Linzer Marcus Füreder ist, wenn man's global betrachtet, der wahrscheinlich größte Popstar Österreichs. In der Stadthalle ging er am vergangenen Mittwoch verantwortungsvoll mit diesem Status um. Das Konzert blieb ohne echten Makel und wurde zu jener großen Party, wie sie Füreder vorgesehen hat. 12.500 Menschen tanzten in Wien zu seiner Unterhaltungsmaschine Elektro-Swing. Auf Parov Stelar können sich irgendwie alle einigen.

Jetzt ist erst einmal Weihnachtsfrieden. Nächstes Jahr ist Parov Stelar wieder von Neuseeland bis zum Mühlviertel gebucht.

Weiters öffnete am vergangenen Wochenende ein ziemlich leiwander Weihnachtsmarkt in der Wiener Krieau, also da bei der Trabrennbahn. Dort hat eine Partie namens Creau nun für zwei Jahre einen Hektar zur Verfügung gestellt bekommen, den sie hinkünftig gestalterisch bespielen soll. Schritt eins: Christkindlmarkt. Der heißt Ochs +Esel, und soll Wiener Kunst, Design und Handwerk in und um die Stallungen der Rennbahn bringen. Und das ist tatsächlich ein ziemlich lässiger Ort geworden. In der Galerie im ehemaligen Tierarztstall wechseln sich Ausstellungen ab, manche Pferdeboxen sind Verkaufsstände, manche Kunstinstallationen, in einer kann man sich den Bart façonieren, in einer anderen sein Antlitz von guten Fotografen festhalten lassen. Sonst gibt es Lesungen und Konzerte, von denen live vor Ort Schallplatten mitgeschnitten und angefertigt werden. Kommendes Wochenende der gleiche Spaß noch einmal.

Und wer hat's erfunden? Zum Team der Creau gehören unter anderem David Kreytenberg von der "Die Liebe" in der Marktwirtschaft, die Kulturmanagerin Andrea Junker und Lukas Böckle von der NEST, der Agentur für Leerstandsmanage ment. Was nach Weihnachten genau auf dem Gelände passieren wird, steht noch nicht fest. Dass einem in der Krieau so bald nicht fad werden wird, aber auch.


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