Theater Kritik

Spring doch nackt in den See, Ludwig!

MARTIN LHOTZKY | Lexikon | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Von links sind leise Schnarchgeräusche vernehmbar. Das mag an diesem Premierenabend durchaus dem Kontrast von föhnig-mildem Wetter draußen und dem etwas überheizten Innenraum im Akademietheater geschuldet sein, hat aber gewiss auch mit dem Bühnengeschehen zu tun. Dem Dreiergespann gegenüber, bestehend aus Markus Meyer, Regina Fritsch und Johann Adam Oest, das sich redlich abmüht, der Adaption des Films "Ludwig II." (Luchino Visconti, 1972) durch Bastian Kraft Sinn und Würde zu verleihen, ist es dennoch ungerecht. Bei der zeitweiligen Lautstärke der eingespielten Tonstücke (jammernde Streicher oder wahlweise Tusch! - Musik: Arthur Fusy) bleibt es umso bewundernswerter, zu so einem Ausdruck der Entspannung zu finden.

Am Film, der in der vom Regisseur geplanten Fassung auf vier, in der Kinoversion auf knapp über drei und durch Eingriffe der Zensur auf etwas mehr als zwei Stunden kam, war an sich das Interessanteste, wie Visconti seinen Lebensgefährten Helmut Berger und Romy Schneider, fast zwei Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch mit den Sissi-Kaiserinnenschmonzetten erneut in der Rolle der Gemahlin von Franz Joseph zu sehen, ausstellte. Bastian Kraft verschmilzt, nicht unschlau und mit tatsächlich atemberaubender technischer Raffi nesse (Video und Licht: Jonas Link und Norbert Piller), bis auf die Charaktere der Kaiserin Elisabeth (Fritsch) und Richard Wagners (Oest) alle übrigen Rollen, von den Ordonanzen, Pferdeknechten und anderen Lustknaben Ludwigs über bayerische Regierungsbeamte und Generäle bis hin zu Mutter Marie und Großcousine (und spätere Verlobte) Sophie in Markus Meyer. In zahlreichen Videoeinspielungen kann Meyer hier erneut sein großes darstellerisches Talent beweisen. Mehr darf man sich aber von diesem hundertminütigen Abend nicht erwarten.

Akademietheater, So 19.00, Do 19.30


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