Film Neu im Kino

Zwei Gesichter eines Helden: "Jacques"

VANESSA SCHARRER | Lexikon | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Die Weltmeere, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1951 und Jacques-Yves Cousteau (Lambert Wilson) macht sich mit seiner zusammengewürfelten Mannschaft auf der "Calypso" auf in Richtung Korsika. Der Film "Jacques -Entdecker der Ozeane" widmet sich dem bewegten Leben von Kapitän Cousteau. Der berühmte Forscher mit der roten Haube (die alle Crewmitglieder tragen sollten) hatte ein aufregendes Leben, das es sich zu verfilmen lohnt. Der Regisseur Jérome Salle hat es sich zur Aufgabe gemacht den Meeresforscher, Erfinder, Regisseur, Entdecker und Umweltschützer nicht nur als Helden zu feiern, sondern auch seine durchaus zweifelhaften Seiten darzustellen. Herausgekommen ist dabei trotzdem eine Heldengeschichte.

Cousteau setzt zwar aus selbstsüchtigen Gründen viel aufs Spiel und vernachlässigt seine Frau Simone (Audrey Tautou), schiebt seine beiden Söhne ins Internat ab und schreckt auch vor Tierquälerei nicht zurück. Es scheint jedoch alles vergeben, als sich der gealterte Seemann nach einer Expedition ins ewige Eis durch seinen Sohn Jean-Michel Cousteau (Pierre Niney) für den Umweltschutz begeistern lässt und nicht mehr nur persönlichem Profit nachjagt. Er schafft es sogar, ein Moratorium auszuhandeln, das bis 2048 verbietet, die Antarktis auszubeuten. Cousteaus lebenslange Verbindung zum Meer machte ihn schließlich zum Zerstörer und Retter zugleich.

Einmal abgesehen von der moralischen Bewertung des Charakters von Cousteau wartet Salle mit romantischen Naturaufnahmen unter Wasser auf. Das Meer scheint für Taucher vor allem ein einsamer Ort zu sein, an dem man fernab des Lärms der Welt im Seegras liegen und den Fischen beim Schwimmen zusehen kann, wie auf einem weit entfernten Planeten.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige