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Zumindest diese Wahl gewann Lugner

Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016

Bevor die Pummerin schlägt und die Sektkorken knallen, pulvern Unternehmen ihre Jahresrückblicke hinaus. Das macht den Dezember für Journalisten zum Monat der Rankings. Den Beginn macht Google mit seiner Reihung der Top-Trending-Videos des Jahres in Österreich -also jener Youtube-Clips, die 2016 am öftesten von Österreichern angesehen und am meisten von ihnen geteilt, gelikt und kommentiert wurden.

Auf den ersten drei Plätzen landeten heuer jeweils Videos des 28-jährigen deutschen Youtubers Julien Bam, der sich hierzulande offensichtlich großer Beliebtheit erfreut. In seinem erfolgreichsten Clip parodiert er ein Video seines Youtuber-Kollegen ApoRed. Mehrmaliges Anschauen hinterlässt nur eine unbefriedigende Erkenntnis: nämlich die, dass man wohl im Youtube-Kosmos aufwachsen muss, um die Faszination dieses Videos zu verstehen, das weltweit knapp 17 Millionen Mal aufgerufen wurde.

Das erfolgreichste Top-Trending-Video made in Austria landet auf Platz vier. Es zählt rund 700.000 Aufrufe und stammt von Richard Lugner. Wir erinnern uns: Zwölfeinhalb Minuten lang erklärten Lugner und seine Frau Cathy in einer Werbebotschaft dem Wähler, warum Lugner sich für das höchste Amt im Staat eigne. Das Video war ein Stück Realsatire: billiger Ton, billiges Bild, billiger Schnitt, billiges Skript, billige Performance - aber skurril genug, um massenhaft angesehen, geteilt und diskutiert zu werden. Dass von allen Präsidentschaftskandidaten ausgerechnet Lugner auf Youtube das Rennen machte, der in der Wahl am wenigsten Stimmen bekam, erklärt vielleicht am besten, wie die Videomaschine Youtube funktioniert.


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