DER WIENER DECKMANTEL

Einer der umstritt ensten Spielervermittler Europas wickelt seine Geschäfte über eine österreichische Briefk astengesellschaft ab

Bericht: Josef Redl/eic.network | Politik | aus FALTER 50/16 vom 14.12.2016


Foto: Belga image, Heribert Corn

Susanna Gemeiner ist eine vielbeschäftigte Frau. Laut Firmenbuch übt sie mehr als 80 Funktionen aus. Sie bekleidet Vorstandsmandate in zahlreichen Privatstiftungen, ist Geschäftsführerin von Unternehmen mit fantasievollen Namen wie Aviella Trading and Services, Great Mountains oder Titan Oil Trading. Kaum eines dieser Unternehmen verfügt über eine Website oder hat sonst nennenswerte Spuren einer Geschäftstätigkeit hinterlassen. Die allermeisten dieser Gesellschaften sind an der Adresse Börseplatz 4 in der Wiener Innenstadt registriert.

Die Anschrift genießt einen einschlägigen Ruf in der Wiener Wirtschaft. Und das nicht, weil gegenüber bis Ende der 1990er-Jahre die Wiener Börse untergebracht war. Am Börseplatz 4 hat sich eine Reihe von Wirtschaftstreuhändern auf eine besondere Dienstleistung spezialisiert: Sie gründen und verwalten Gesellschaften und Stiftungen im großen Stil. Die Firmen existieren in erster Linie nur auf dem Papier. Die Kunden sind oft Menschen, die nicht selbst in Erscheinung treten wollen – oder dürfen. Auf Diskretion wird offensichtlich Wert gelegt, nicht nur was die Identität der Kunden betrifft. Auch einige der Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder, die am Börseplatz werken, verzichten auf jede Form von Internetpräsenz. Unter der im Handelsgericht bei etlichen Firmenkonstruktionen angegebenen Telefonnummer meldet sich eine „Bürogemeinschaft“.

Hunderte Firmenmäntel wurden über Jahre hinweg am Börseplatz 4 eingetragen. Immer wieder tauchen diese Firmen auch in den Skandalchroniken der Wirtschaftsberichterstattung auf. Erst zu Jahresbeginn machte die Großinsolvenz der deutschen Unternehmensgruppe German Pellets Schlagzeilen. Der nach eigenen Angaben weltweit größte Hersteller und Händler von Holzpellets hatte alleine bei deutschen Anlegern rund 270 Millionen Euro eingesammelt. Sie dürften kaum etwas davon wiedersehen. Die Staatsanwaltschaft Rostock führt umfangreiche Ermittlungen, da viele Millionen aus dem Unternehmen über ein kompliziertes Geflecht aus Firmen rund um die Welt transferiert wurden. Am Börseplatz 4 war eine der zahlreichen Durchlaufstationen eingetragen. Am Börseplatz 4 kommen auch einige Fäden des internationalen Fußballnetzwerkes zusammen. Genauer gesagt: in der Danubio Finanzierungsleistungen und Marketing GmbH. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2007 gegründet. Offiziell hält Susanna Gemeiner 26 Prozent der Anteile, der Rest gehört einer Bretline Enterprises Ltd. Mit Sitz in Zypern. Laut Firmenbuch hat das Unternehmen nicht einen einzigen Angestellten. Dennoch spielt Danubio in einer Liga mit den Großen des Weltfußballs.

Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige