Kommentar Football Leaks

Der ganze Fußball-Korb, er stinkt gewaltig


LUKAS MATZINGER
Falter & Meinung | aus FALTER 51/16 vom 21.12.2016


Cristiano Ronaldo ist wieder Weltfußballer des Jahres geworden, Uli Hoeneß ist wieder Präsident des FC Bayern geworden, Lionel Messi haben sie in Buenos Aires eine Bronzestatue errichtet. Das Fußballuniversum steht, und es steht gut.

Diese Ausgabe bedeutet das vorläufige Ende der Football-Leaks-Veröffentlichungen. Die Geschichten der vergangenen Wochen haben Transparenz in ein Geschäft gebracht, das so sehr von Korruption und dunklen Machenschaften durchsetzt ist, dass es schwer zu sein scheint, sauber wieder rauszukommen.

Die Enthüllungen haben gezeigt, wie die großen Stars des Spiels Millionen ihrer Zuwendungen vor der Steuer verstecken, wie skrupellos Spielerberater und -agenturen Talente ausnutzen und wie dunkel manche Quellen sind, die den Fußball mit Geld fluten. Es waren Zeugnisse der Gier, die im Geschäft Profifußball über die Jahre entstanden ist.

Nur die Milliarden Finanziers in den Stadien und Fanshops hätten von diesen Dingen nie erfahren sollen.

Dem Fußballer wird doch eine sonderbare Form der Solidarität zuteil. Fußball spielen zu können ist eine bezaubernde Begabung, im besten Fall ein Geschenk für Millionen von Menschen. Der Fußball verbindet und ist gütig, die Nachfrage nach seinen Helden ist gigantisch. Wie es drinnen aussieht, im Cockpit der Maschine Weltfußball, will man besser gar nicht wissen. Abscheu vor Eliten ja, aber doch nicht vor denen. Da stimuliert jede falsche Abseitsentscheidung mehr, als eine Million, die irgendwo verschwindet.

Wer sich tatsächlich damit abgefunden hatte, dass er mit jedem Ticket und jedem Trikot ein von menschlicher Moral freigesprochenes System finanziert, ist nun als Fatalist oder als Narr enttarnt. Es sind nicht ein paar faule Äpfel, die das Körberl entweihen, der ganze Korb, er stinkt gewaltig. Dutzende Klagsdrohungen und drei richterliche Verfügungen später sind wir uns nicht weniger sicher, dass Steuerhinterziehung keine Privatsache ist und dass es schlicht zynisch wäre, bei den Fußballgöttern nicht hinzusehen, denen so viele Opfer gebracht werden.

„Hacienda somos todos. Cristiano paga ya“, schrien Fans bei Reals Spiel in Barcelona, „Das Finanzamt sind wir alle. Cristiano, zahl endlich!“ Es sind auch seine Millionen, die dem spanischen Haushalt fehlen, weswegen die öffentlichen Schulen immer schlechter werden, weswegen kaum mehr Bauprojekte ausgeschrieben und die BIP-Ziele wieder nicht erreicht werden.

Wahrscheinlich wird es auch 2017 Enthüllungen geben.

Dem Fußball zuliebe.


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