"Wo ist all die Zeit geblieben?"

Frank Spilker von der Hamburger Popband Die Sterne spielt ein Solokonzert im Stadtsaal

Interview: Gerhard Stöger | Lexikon | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017


Foto: Robin Hinsch

Gemeinsam mit Blumfeld und Tocotronic prägten Die Sterne den schlauen deutschen Gitarrenpop der 1990er. Zum 25-jährigen Bestehen der Band erscheint Anfang Februar das von einer Tournee begleitete Geburtstags-Tributealbum „Mach’s besser“, davor spielt ihr Sänger und Gitarrist Frank Spilker diesen Sonntag ein Solokonzert in Wien.

Falter: Alles Gute zum Geburtstag, Herr Spilker. Ein Vierteljahrhundert Die Sterne: Freut oder schreckt Sie dieses Jubiläum?

Frank Spilker: Naja, man stellt sich viele Fragen: Musste das sein? Wo ist all die Zeit geblieben? Und so weiter. Ich kann vor allem sagen, dass wir das alleine nie geschafft und nie gemacht hätten. Das hat alles vor allem auch mit der Freude unserer Fans zu tun und unserer Freude darüber, geschätzt zu werden.

Welche Bilder kommen Ihnen beim Blick auf 25 Bandjahre in den Sinn?

Spilker: Oh, ganz viele. Reisen, Freundschaften, Cliquen, Bäder in der Menge, Popstars in Freizeitkleidung im Backstagebereich, Menschen, die uns fördern und solche, die uns ausgrenzen, Neider, fanatische Fans. Da wird irgendwann ein ganzes Buch draus.

Die Sterne standen anfangs unter Funkeinfluss, später öffneten Sie sich auch elektronischer Clubmusik. Warum haben Sie mit ihrem Faible für tanzbare Rhythmen einst überhaupt eine Gitarrenband gegründet?

Spilker: Als ob Gitarren und Rhythmus einander ausschließen würden! Man kann doch fast jedes Instrument als Trommel begreifen. Davon abgesehen: Den Rhythmus als untergeordnetes Element der Musik anzusehen ist eine sehr europäische Tradition. Wir haben unseren Sound entwickelt und sind anschließend, in guter alter Punktradition, erst mal auf Tour gegangen anstatt zu üben. War auch besser so.

Wie kam es zur Sterne-Cover-Geburtstagsplatte „Mach’s besser“, die Anfang Februar erscheinen wird?

Spilker: Im Gespräch untereinander und mit Freunden hat sich das irgendwann als nächster logischer Schritt herausgestellt. Das Gute daran, so ein Jubiläum zu begehen, ist neben der Feierei selbst ja, dass man hinterher wieder nach vorne schauen kann. Es gibt auch gerade so viele tolle Bands, die wir fragen konnten.

Und, macht es eine davon „besser“?

Spilker: Das ist das erste Sterne-Album, das ich selbst als Konsument wahrnehmen kann, und ich bin positiv überrascht. Nicht nur von der Qualität unserer Songs, sondern auch von den vielen unterschiedlichen Ansätzen, Coverversionen davon zu machen.

Mit Kreisky und Naked Lunch sind auch zwei österreichische Bands vertreten. Was verbindet Sie?

Spilker: Mit Naked Lunch stehen wir seit Mitte der 90er auf den Festivalbühnen, da haben wir natürlich diverse Biere zusammen geleert. Kreisky fühlen wir uns im Geiste verpflichtet. Das sie eine Generation jünger sind, hat dabei nichts zu bedeuten.

Wie haben Sie Naked Lunch bloß dazu gebracht, erstmals in ihrer Karriere deutsch zu singen?

Spilker: Geil, oder? Tatsächlich haben wir niemanden zu irgendwas gebracht, nicht einmal dazu, überhaupt mitzumachen. Wir haben einfach etwas Saatgut in den Wind geworfen, und die Vögelchen sind angeflogen gekommen und haben es aufgepickt.

Musik Ihrer Band tauchte zuletzt in Marie Kreutzers Bobo-Filmkomödie „Was hat uns bloß so ruiniert“ auf. Wie fanden Sie den Film?

Spilker: Gut beobachtet und erstaunlich leicht im positiven Sinn. Ich würde mir wünschen, dass man eine Serie daraus macht, die vielleicht an unterschiedlichen Schauplätzen spielt. Aber die Filmerei mit den Kleinkindern soll sehr anstrengend gewesen sein.

Sie waren im Laufe der Jahre oft in Wien zu Gast. Was verbinden Sie mit der Stadt?

Spilker: Dass ich hier kein Fremder mehr bin. Ich weiß, wo ich morgens, mittags oder abends hingehen kann, um mich wohl zu fühlen. Ich habe Freunde in der Stadt – und ich schaue mir keine Sehenswürdigkeiten mehr an. Es gibt viele schöne Erinnerungen, etliche davon spielen im ehemaligen Hotel Fürstenhof.

Unweit davon treten Sie nun im Stadtsaal auf, am 20. Februar spielen Die Sterne in der Grellen Forelle. Was werden diese Abende jeweils bringen?

Spilker: Die Sterne werden ein Best-of-Konzert unter Verwendung der gecoverten Lieder spielen. Die Kiesgroup aus Düsseldorf wird uns unterstützen, wir haben ja immer einen Gast dabei. Und dann wird gefeiert. Mein Abend im Stadtsaal wird eher eine Vor- statt einer Rückschau. Neues Material, Texte und Musik, die im Entstehen begriffen sind. Ein paar alte Sterne-Stücke werden aber auch da zu hören sein.

Was werden die nächsten 25 Jahre bringen?

Spilker: Ich denke, sie werden Veränderung bringen – und ich hoffe es auch. Aber man darf ja trotzdem mal innehalten und so tun, als würde die Welt stillstehen.

Stadtsaal, So 20.00


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