Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Spruch der Welt der Woche

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Sie hat die guten Songs, den lässigen Style und das nötige Quäntchen Größenwahn. Vor allem aber hat die Wiener Popband Bilderbuch einen außergewöhnlich guten Schmäh. "Bungalow", die erste offizielle Single ihres im Februar erscheinenden neuen Albums "Magic Life", beweist das geradezu exemplarisch.

Da wäre einmal das minimalistischauffällige Video, in dem unter anderem eine Pole-Dance-Stange und ein eingeölter Männerbrustpelz vorkommen, eine widerwillig tanzende Katze, eine überdimensionale Elton-John-Sonnenbrille, diverse Mobiltelefone und eine Handvoll Goldmedaillen.

Dann wäre da die Musik, die Disco und Funk der 1970er inhaliert hat und mit einer freien Hip-Hop-Aneignung kombiniert. Sie ist unwiderstehlich tanzbar und geht so unverschämt ins Ohr, dass bereits nach dem ersten Hören klar ist: Diesem Lied wird in den nächsten Monaten kaum jemand entkommen können. Der entscheidende Trumpf von "Bungalow" aber ist sein so simpler wie genialer Text.

Die Geschichte ist banal: Es geht um eine unzuverlässige Person, die den Erzähler versetzt, aber erneut eingeladen wird. In seinen Bungalow eben, denn dort gibt es "Snacks für die Late-Night-Show". Geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Punchline und Blödelei balancierend, pflegt Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst das Spiel mit Sinn und Unsinn, mit Phrasierung und Sprachfluss: "Dann rufst du an auf meinem Handy /Und dann bist du wieder candy", reimt er.

Und der beste "Bungalow"-Zweizeiler ist noch nicht einmal gereimt: "Baby, leih mir deinen Lader /Ich brauch Power für mein' Akku." Das mag sich hingeschrieben selten deppert lesen. Singt Ernst es aber mit der ihm eigenen charmanten Arroganz, hört man neben einem Hit gleich auch noch einen Spruch des jungen Jahres.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige