Landrand Ruralismus

Der überschätzteste Skiort der Welt

Landleben | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Kitzbühel! Das ist Luxus, Prominenz, Skizirkus, Österreichs Wintersportort par excellence! Ist er das wirklich? Oder existiert dieses legendäre Kitzbühel nur in der kollektiven Selbstimagination der betuchten Urlauber, nachdem oder weil sie beim Tomschy gleich bei der Bergstation der Hahnenkammbahn gerade eine Magnumflasche Champagner geköpft haben? Nicht nach dem Skifahren, sondern stattdessen. Hier, auf 1662 Meter Seehöhe, sieht man mehr Pelzmäntel als Gore-Tex-Anoraks, mehr Fellstiefel als Skischuhe, mehr Botox als Skihelme, hier wird gefeiert und repräsentiert, nicht gesportelt.

Und geshoppt. Das samstägliche Promenieren durch die zwei Gassen, die sich "Zentrum" nennen, eine der Status-Einkaufstaschen der Dorfboutiquen von Moncler, Frauenhuber oder Duvetica am Arm, gehört offenbar genauso zum "Ich-leiste-mir-Kitz"-Ritual wie der Absacker im Take Five oder Fünferl. Beides Lokale, die den Charme der 1980er-Jahre zelebrieren. Das war vielleicht einmal elegant und auch legendär, aber gegenwärtig fühlt es sich eher an wie der Besuch in einem Ort, der nicht merkt, dass er zum Open-Air-Museum mutiert ist.


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