Kunst Kritik

Von wegen Freiheit über den Wolken

NS | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Angriff auf Amerika", so scheint die häufigste Headline internationaler Zeitungen am 12. September 2001 gelautet zu haben. Der Künstler Hans Peter Feldmann hat für seine Arbeit "9/11" rund 300 Coverseiten vom Tag nach dem Fall der Twin Towers reproduziert, von denen derzeit ein Teil in der Ausstellung "Looking for the Clouds" im Musa gezeigt wird. Allein schon diese wandfüllende Installation lohnt den Besuch der Schau, deren Untertitel "Contemporary Photography in Times of Conflict" eher wischiwaschi ist.

Eine Spurensuche in ästhetisch reizvoller Form liefert der Franzose Raphaël Dallaporta, der 2010 mittels einer eigens konstruierten Drohne Luftaufnahmen von unzugänglichen archäologischen Stätten im Norden von Afghanistan geschossen hat. Der Künstler war Teil eines Teams, das die bedrohten Ausgrabungsstätten und Monumente erforschte. Dallaportas Bilder zeigen in erster Linie Wüste, Straßen als Linien im Sand und winzige Gebäudestrukturen, denen ihre antike Herkunft nicht anzukennen ist. Dafür präsentiert der Künstler die Fotos in mehreckiger Form, die auf die historischen Stätten rekurriert.

In die Lüfte führt auch Anna Jermolaewas Video "Clouds", das die Passagiere eines Flugzeugs zeigt. Während eine Frau neben ihrer schlafenden Tochter entspannt auf die Wolken schaut, steigt seltsamer Rauch auf. Ist das echt, und wenn ja, wo kommt der Nebel her? Jermolaewa kreiert für das latente Unbehagen, in Zeiten des Terrorismus in einen Flieger zu steigen, ein Szenario. Voll schwarzem Humor steckt die Fotoserie "World of Warfare", die Julian Röder auf einer Waffenmesse in Abu Dhabi gemacht hat. Dort bahnen sich Tschador-Trägerinnen ihren Weg zwischen den Panzern, vorbei an vergoldeten Munitionsgürteln und Kriegsszenarien, für die man 3-D-Brillen aufsetzen muss.

Musa, bis 4.2.

Julian Röder: "World of Warfare"

Anna Jermolaewa: "Clouds"


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