Kommentar Burgenland

In Frauenkirchen ging es um mehr als um das Mega-Glashaus


Barbara Tóth
Falter & Meinung | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

So kann man danebenliegen. Mit all der Selbstgewissheit eines Landeshauptmanns im 16. Jahr seiner Amtszeit hatte sich Hans Niessl hinter das Mega-Glashausprojekt in seiner Heimatgemeinde Frauenkirchen gestellt.

Drei Mal lud er zu Informationsveranstaltungen ins Dorfwirtshaus. Die Kritiker im Ort, allen voran den bekannten Winzer Josef Umathum, beschimpfte er dabei harsch. Medien, die -wie der Falter - kritisch berichteten, machte er lächerlich.

Im Burgenland brauche es keine Bürgerbeteiligung und keine Transparenz, die Obrigkeiten wüssten, was gut ist fürs Land und zögen das Schulter an Schulter mit befreundeten Investoren durch. Basta.

Am Ende unterschrieben 780 Frauenkirchnerinnen und Frauenkirchner Umathums Petition gegen das Mega-Glashaus. Sie sagten damit nicht nur Nein zu der Paradeiserfabrik der Firma Perlinger, sondern vor allem auch Nein zu Niessls antiquierter Art, Politik zu machen.

Im Burgenland haben sich alte Politikgepflogenheiten länger halten können als woanders, geschützt durch die rote Vormacht und die schwache Opposition. Gleichzeitig tickt vor allem das nördliche Burgenland heute immer mehr urban. Guter Wein, gutes Essen, Bade-und Sportspaß am Neusiedler See lässt viele Städter ganz dorthin ziehen, gut gebildete Burgenländer, die in Wien Karriere gemacht haben, kehren heim.

Dieser Generation muss man mit der "Basta"-Politik nach Niessl-Manier nicht kommen. Sie will mitreden und mitbestimmen. Der Widerstand gegen das Glashaus in Frauenkirchen war erst der Anfang. Das ganze Ausmaß der Veränderung wird Niessl bei den Gemeinderatswahlen im Herbst 2017 spüren.


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