Tiere

Los geht's!

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Wenn Sie diese Geschichte schon einmal gehört haben, dann unterbrechen Sie mich nicht, denn ich möchte sie gerne nochmals hören.“ Dieses Zitat von Groucho Marx beherzigen viele Selbstdarsteller und Kleinkünstler. Ich hingegen orientiere mich – vor allem bei Schneelage – an seinem unverwechselbaren Gang, dem Groucho-Walk. Bei diesem Eilschritt beugt man den Oberkörper fast rechtwinkelig nach vorn, während man zugleich federnd und mit tief abgesenktem Becken voranschreitet. Das hat sowohl den Vorteil, dass man die Aufmerksamkeit anderer Passanten hat, als auch den, dass man durch den niedrigen Schwerpunkt nicht so leicht umkippt.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie hingegen empfahl angesichts der winterlichen Verhältnisse in einer Presseaussendung: „Gehen Sie wie ein Pinguin!“ Beim Pinguin-Gang steigt man immer mit der ganzen Sohle auf und dreht die Zehenspitze leicht nach außen. Der Körperschwerpunkt soll dabei über dem vorderen, also dem auftretenden Bein liegen und durch eine gleichzeitig leicht nach vorn geneigte Körperhaltung würde man die Stabilität erhöhen. So weit der Rat der DGOU. Diese renommierte ärztliche Organisation scheint aber mehr vom Menschen- als vom Pinguinbein zu verstehen, denn so wie oben beschrieben laufen diese Vögel nicht.

Vorab: Ja, Pinguine haben Knie. Doch diese sind aus Gründen des Wärmeschutzes durch das Federkleid verborgen. Ein kurzer Oberschenkelknochen hat auch im Stehen einen rechten Winkel zum Becken, dann folgen Schien- und Wadenbein sowie die Ferse mit den Zehenknochen. Der watschelnde Gang resultiert aus einer sehr energieeffizienten Fortbewegungsweise: Der Oberkörper schwankt dabei leicht von links nach rechts und verlagert so das Gewicht auf jeweils ein Bein, damit das andere durch eine leichte Körperdrehung nach vorn geschoben werden kann. Pinguine kippen trotz dieser kippeligen Gangart auf Eis nur deswegen nicht um, weil sie an den Zehen sehr starke Krallen haben, die sich so wie Steigeisen im Schnee fixieren.

Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, seine Individualität beim Gehen zum Ausdruck zu bringen. Chuck Berry erfand nicht nur den Rock ’n’ Roll, sondern auch den Duck-Walk. Dabei hüpfte er in Hockstellung auf einem angewinkelten Bein langsam vorwärts und klopfte mit der Ferse des anderen, nach vorn gestreckten Beins im Takt auf den Boden. 2017 wird ein gutes Jahr für das Ministry of Silly Walks!


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