Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Kalte Tage


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Falter & Meinung | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Die Kälte war vor 20 Jahren schon ein Problem. Die Stadtleben-Redaktion sah sich dazu angeregt, Aufwärmmöglichkeiten anzubieten. Diverse Kinofoyers wurden aufgezählt, aber auch der McDonald's am Schwarzenbergplatz ("22 Grad und 1 Cola") oder, origineller, das Kraftwerk Simmering, mit "Führungen im 30 Grad warmen Kesselraum" oder das Haus des Meeres ("auch Fische mögen's warm). Als ewiger Tipp kann auch das Palmenhaus gelten, dessen gefühlte Innentemperatur deutlich höher liegt als die gemessenen 20 Grad.

Politisch machte sich der FPÖ-Abgeordnete Ewald Stadler bemerkbar, indem er die Gerichte mit seinen krausen Hypothesen beschäftigte. Die Sprengstoffattentate der vergangenen Monate seien sämtlich der Linken zuzuschreiben, mutmaßte er. Den Haupttäter kannte er natürlich: den linken Journalisten Wolfgang Purtscheller. Wie sich herausstellte, war alles anders.

In einem großen Essay mahnte Markus Marterbauer die europäische Wirtschaftspolitik vor dem sogenannten Stabilitätspakt nach deutschem Vorbild. Handschellen für nationale Budgets könnten "leicht zum Ausgangspunkt wirtschaftlicher Instabilität und steigender Arbeitslosigkeit werden". Leider verhallte die Mahnung.

Im Feuilleton stellte Christian Zillner anlässlich der Ausstellung "JudenFragen" im Jüdischen Museum Wiener Jüdinnen und Juden die Frage, was ihnen ihr Judentum, was Österreich und was Israel bedeute. Der bucharische Schuster Aaron antwortet: "Der Ausländerhass hat in den letzten Jahren unerträglich zugenommen. In Amerika oder Australien sind Österreicher auch Ausländer, möchten die dort so behandelt werden, wie sie hier mit Juden, Schwarzen oder Türken umgehen?"

Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg sagte: "Natürlich ist mein Judentum nicht nur in Anti-Antisemitismus begründet. Am liebsten sehe ich es ja, wenn Christen gegen den Antisemitismus auftreten." Edek Bartz sagte bedauernd, er habe einsehen müssen, "dass es keine österreichischen Juden geben kann". Es gebe nur Juden, die in Österreich leben.


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