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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) wollte in dem Wiener Innenstadtlokal Club X mit Freunden abendessen. "Bei uns nicht!", sagte der Kellner, Gudenus musste abziehen. Die weltoffenen Lokalbetreiber nannten die Ausländerfeindlichkeit des Politikers als Grund für den Boykott.

Rechtlich gesehen darf ein Lokalbetreiber keinen Gast diskriminieren, weil ihn dessen Weltanschauung stört. Die Aktion war auch deshalb fragwürdig, weil sich der Aufenthalt in einer multikulturellen Umgebung positiv auf die Gefühle eines Rassisten auswirken könnte. Das ferne Feindbild bekäme in der Nähe menschliche Züge.

Als die Wirtin des Cafe Prückel vor zwei Jahren ein Lesbenpaar rausschmiss, weil sie dessen Knutscherei störte, war der Aufschrei groß. Die Anhänger der Toleranz verhalten sich nun still; ein Vertreter der ihnen fremden Kultur hat wohl ein bisschen Ausgrenzung verdient. Dabei hätte es jener Abend werden können, in dem der Geist der Menschenliebe das harte Herz des Wiener Rathauses aufweicht.


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