Am Apparat Telefonkolumne

Warum werden Patienten auf dem Gang untergebracht, Frau Pilz?

Interview: B. Breitegger | Politik | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Seit Beginn des Winters kämpfen die Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) mit Überbelegung. Besonders betroffen sind laut Presse die Internen Abteilungen der Rudolfstiftung, des Krankenhauses Hietzing und des Donauspitals sowie die Lungenabteilung des Otto-Wagner-Spitals. Wieso? Ein Anruf bei Sigrid Pilz, Patientenanwältin der Stadt Wien.

Frau Pilz, wie kommt es zur derzeitigen Überbelegung in den Spitälern des KAV?

Es gab eine Grippewelle und viele Spitalsärzte sowie fast die Hälfte der Hausärzte waren auf Weihnachtsurlaub. Das ist ein systemischer Fehler.

Im Wilhelminenspital waren Zimmer frei, trotzdem gab es Gangbetten. Wie kann das sein?

Solche hausgemachten Fehler dürfen nicht passieren. Auf einem lauten und beleuchteten Gang zu liegen bedeutet für Patienten nämlich großen Stress.

KAV-Chef Udo Janßen sagte, kein Spital in Mitteleuropa wäre auf den maximal zu erwartenden Versorgungsbedarf ausgerichtet.

Da hat er recht. Doch wenn der Bedarf nach Spitalsbetten saisonal bedingt steigt, müssen alle kooperieren.

Welche?

Die Spitäler des KAV müssen derzeit alle Patienten aufnehmen, Ordensspitäler, das Hanusch-Krankenhaus und die Unfallkrankenhäuser können hingegen einen Aufnahmestopp verhängen. Bei Engpässen sollten aber alle in der Pflicht sein.

Gibt es zu viele Überweisungen in Krankenhäuser?

Ja. Ärzte in den Notfallambulanzen haben mir gesagt, dass rund zwei Drittel ihrer Patienten auch draußen versorgt werden könnten. Wenn aber die Ordination zu hat, oder der Arzt keine Hausbesuche macht, bleibt nur das Spital. Es gibt in Wien leider nur ein einziges Primärversorgungszentrum mit langen Öffnungszeiten. Die Ärztekammer ist gegen diese neuen Formen, obwohl sie die Spitäler entlasten würden.


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