Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Vielleicht haben Sie die Rede von Meryl Streep gehört, sie hat den Golden Globe fürs Lebenswerk bekommen. Streep erhob ihre heisere Stimme für Toleranz und rüffelte dabei Donald Trump. Damit die Rede für die Zuschauer auch optisch nicht langweilig wurde, sorgte die Regie für genügend Zwischenschnitte aus dem Publikum. Und hier wird die Sache spannend.

Als Streep anhob, die Vielfalt Hollywoods zu preisen und aufzählte, wen es im Saal aus aller Welt nach Hollywood verschlagen hatte, da zoomte die Kamera in der Sekunde darauf genau aufs passende Gesicht. Nun wissen Schauspieler, dass sie reagieren müssen, wenn die Kamera auf ihre Birne gerichtet ist. Denn es bietet die Chance zur kleinen Selbstinszenierung. Was vermitteln uns die Hollywoodstars also? Ryan Gosling: zieht erwartungsvoll die Braue hoch, blickt dann betreten zur Seite. Viola Davis: streckt zustimmend den Daumen entgegen. Ruth Negga: stolzes Lachen. Dev Patel: erstauntes Lachen. Sarah Jessica Parker: weint fast vor Ergriffenheit. Die wahre Vielfalt Hollywoods zeigt sich erst im Zwischenschnitt.


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