Bloß kein Dienst nach Vorschrift

Seit Jahren mischt Teodor Currentzis die Welt der klassischen Musik auf. Nun sucht der griechische Dirigent in Wien nach der Ekstase


PORTRÄT: MIRIAM DAMEV

Feuilleton, FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Eisiger Wind peitscht durch die Straßen von Perm. Aus den Hochöfen qualmt grauer Rauch, während die Containerschiffe im Hafen an-und ablegen. Noch vor ein paar Jahren war die östlichste Stadt Europas vor allem für ihre Bodenschätze, ihre Rüstungsindustrie und ihre frostigen Winter bekannt. Doch dann beschloss der damalige Gouverneur Oleg Tschirkunow den Imagewandel von der Industriemetropole zur Kulturhauptstadt. Er entwarf ein ambitioniertes Programm, holte die wichtigsten Kultureinrichtungen aus ihrem Dämmerschlaf und investierte in neue Theater und Kunstgalerien, die nun das Bild der Uferpromenade prägen.

Auch das traditionelle Opern-und Balletttheater sollte in neuem Glanz erstrahlen. Dafür suchte Tschirkunow jemanden mit Mut und Visionen. Jemanden wie den wohl berühmtesten Sohn der Stadt am Ural: Impresario Sergej Djagilew, der Anfang des 20. Jahrhunderts das weltbekannte Ballettensemble Ballets Russes gegründet hatte. Fündig wurde er in Teodor Currentzis, den Musikdirektor

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