Menschen

Was ist das für 1 Life Ball?


Lukas Matzinger
Kolumnen/Zoo | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Silvester in Wien ist ein streitbares Vergnügen. Taxis, Bars und Klubs sind über jedes Maß belegt, der Silvesterpfad ist eine Anordnung von Plattitüden, in den Rooftop-Restaurants, wo das Feuerwerk fantastisch anzuschauen wäre, kostet das Silvestermenü 279 Euro, und anders als im Werbefilm, der in der Pause des Philharmoniker-Konzerts gezeigt wird, kann in Wirklichkeit kaum ein Wiener schulgemäß Walzer tanzen. Na ja.

Aber es gibt auch durchwegs verträgliche Wege, den Jahreswechsel zu verbringen. Die Pioniere der Lipsync-Parodie Maschek zum Beispiel schauten im Gartenbaukino mit ihren traditionellen Silvestergalen auf das Jahr zurück. Das Foyer des Kinos wurde danach von Freunden des Phil befeiert, das hat sich ausgezahlt.

Zur selben Zeit endete ein paar Kilometer weiter, und das ist eine der traurigen Geschichten, die mit der Jahresneige einhergehen, eine 40-jährige Bühnenkarriere. Der Reformer des Wienerlieds Roland Neuwirth spielte an diesem Abend die letzten beiden Konzerte mit seinen Extremschrammeln. 66 Jahre ist er jetzt alt, er sei nicht ganz gesund, sagt er. Einmal ließ er sich noch von Maria Windhagers Gesang und Marko Živadinovićs Harmonika auf die Bühne begleiten. "A Fluchtachterl ins neuche Jahr" nannte er die Konzertabende. Ein trauriger Triumph.

Um exakt 00.10 Uhr begann im Fluc die Silvesterparty für leiwande junge Leute. Zur Feier des Jahres hatte sich das Fluc die große Produzentin, DJane und Frau Electric Indigo gegönnt. "This is a dream come true for us. We won't let idiots ruin that night, so only bring decent ravers along", stand in der Einladung. Es wurde die feine Nacht, um die sie sich gesorgt hatten.

Das gilt auch fürs alternative Neujahrskonzert der Wiener Tschuschenkapelle. Zum 18. Mal lud deren Bandleader, Komponist und Sänger Slavko Ninić, zur Jahresbeginnsause mit dem konkreten Titel "Mir san net nur mir". Die Tschuschenkapelle spielt Musik aus Österreich und vom Balkan, selbstgeschrieben und traditionell. Willi Resetarits sang wieder mit. Und wenn die Klarinette richtig tobt, muss man auch nicht wie im Musikverein auf seinem Sessel picken bleiben.

Eine der größten Sausen des angefeuerten Jahres, das kann man ohne Wagnis sagen, wird der wiedererfundene Life Ball sein. Nach einem Jahr Pause veranstaltet Gery Keszler 2017 seinen Ball mit verändertem Konzept. Am Montag präsentierte er bei einer Sause im Wien Museum die "Life Bible" für die aktuelle Saison. Das ist eine Art Gebrauchsanweisung für Ballgeher, die die Kostüme und Dekoration der Veranstaltung ankündet.

Das Motto des Balls ist "Recognize the danger", was einerseits faschistoide gesellschaftspolitische Entwicklungen aufzeigen und andererseits darauf hinweisen soll, dass etwa die Hälfte der HIV-infizierten Menschen nichts von ihrem Immunstatus weiß. Zum Thema passen die Werbesujets des Balls. Im Hintergrund Schwarz-Weiß-Fotos in Leni-Riefenstahl-Optik, vorne die bunte Life-Ball-Prozession -maßgeblich fotografiert von Inge Prader.

Corinna Milborn moderierte, sie sprach zur vollzähligen Wiener Schickeria inklusive Interimsbundespräsidentin Doris Bures und den drei großen Damen Österreichs, Dagmar Koller, Lotte Tobisch und Conchita Wurst. Neni servierte Falafel, Maria Happel las Gedichte, seitab wuschen sich nackte Männer performativ. Der Life Ball wird am 10. Juni das Rathaus färben.


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