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Der letzte Streich von Manfred Deix

BETRACHTUNG: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | Medien | aus FALTER 02/17 vom 11.01.2017

Die Grünen bezeichnen Facebook als größte "Hassplattform". Die Regierung startete eine Initiative gegen "Hass im Netz", um den Social-Media-Hetzern etwas entgegenzuhalten. Alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, um Gewaltaufrufe, Tötungsvideos und Gräueltaten aus Facebook zu verbannen. Und nun das: Die Plattform sperrt ausgerechnet einen Deix-Cartoon.

Zum Hintergrund: Marietta Deix, die Witwe des im Vorjahr verstorbenen legendären Karikaturisten Manfred Deix, will sein Vermächtnis hochhalten. Auf Facebook betreut sie die Erinnerungsseite "Manfred Deix Forever" mit. "Wir stellen seine Bilder ins Netz, damit er nicht vergessen wird", sagt Marietta Deix.

Vor wenigen Tagen luden sie einen Cartoon aus dem Jahr 2005 hoch. Er zeigte einen Mann, der mit seiner Schrotflinte auf Kinder zielt, die sich als die Heiligen Drei Könige verkleidet haben. "Unser Boot is voll, und drum is mir ganz wurscht, obs ihr aus'n Morgenland oder aus Polen oder aus Rumänien kummts: Ausländer ist Ausländer!!!", schreit er. Eine Persiflage aufs rechte Gedankengut.

Facebook duldet Gewaltvideos, aber bei Humor kennt es keinen Spaß. Der Cartoon wurde entfernt. Warum? Kann Frau Deix nicht beantworten, "beim besten Willen nicht". Wer ihn erneut hochlädt, wird vorübergehend gesperrt. Wie etwa auch Falter-Chefredakteur Florian Klenk.

Vielleicht muss man sich die Reaktion auf diese Geschichte biblisch vorstellen. Manfred Deix, wie er oben auf seiner Wolke im Karikaturistenhimmel sitzt, die Katze streichelt, hinunterlächelt und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit gleichmütigem Grinsen zuerst schiefe Zähne, dann eine Wampe und schließlich ein kleines Zumpfi malt.


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