Kommentar Medienethik

To L. or not to L.: Der Kurier hat einen Fehler gemacht


Lukas Matzinger

Falter & Meinung | aus FALTER 03/17 vom 18.01.2017

In der Steiermark ist wohl ein grauenhaftes Verbrechen passiert. Der angesehene Landarzt L., Bruder eines angesehenen Politikers, habe hier jahrelang seine Kinder gequält, immer wieder mit Selbstmord gedroht und sie tablettenabhängig gemacht. Das sind die Anschuldigungen, über die die Kleine Zeitung am 7. Dezember und in den folgenden Wochen berichtete.

Ein Sachverständiger, der den Arzt psychiatrisch hätte begutachten sollen, habe im Laufe des Verfahrens um Enthebung gebeten - wegen "Interventionsversuchen durch Kollegen und Politiker", die "den Beschuldigten und die Opfer" betrafen. Wie diese Interventionsversuche konkret aussahen und von wem sie kamen, ist bis heute völlig unklar. Der Gutachter spricht darüber nicht.

Bei der Berichterstattung über solche Fälle ist das österreichische Mediengesetz restriktiv: Die Betroffenen und Verdächtigen dürfen von Medien nicht kenntlich gemacht werden -es sei denn, sie sind Personen von öffentlichem Interesse. Ein steirischer Landarzt

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