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Die Bank


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Falter & Meinung | aus FALTER 03/17 vom 18.01.2017

Da lachte er noch, der Gerhard Randa. Der Manager der Bank Austria hatte gerade die Creditanstalt inhaliert, den Inbegriff schwarzer Bankenmacht. Die Bank Austria war aus der Fusion der roten Institute Zentralsparkassa und Länderbank hervorgegangen, und nun freuten sich alle. Die Roten, weil sie einen Prestigeerfolg gelandet hatten, die Schwarzen (zumindest einige, namentlich der Vizebürgermeister Bernhard Görg), weil der Deal auch bedeutete, dass die Gemeinde Wien ihre Bankanteile abgeben musste. Und vor allem Randa, der nun endlich die lästige Politik los war, die ihm sagte, was zu tun war. Dass sich das Ganze aus heutiger Sicht als Hans-im-Glück-Aktion herausgestellt hat, schien damals niemand zu ahnen. Der grüne Volkswirtschaftsprofessor Alexander Van der Bellen machte sich Sorgen um die Wiener Börse. Und Experten sahen eine neue Ära für Österreichs Bankensektor heraufziehen. Privatisierung unlimited, sozusagen. Wir zahlen und haften heute noch dafür und für die Idee, eine österreichische Bank müsse ein großer europäischer Player werden.

Den Kulturteil eröffnete Franz Schuh mit einem großen Essay über Fotos aus dem österreichischen Familienalbum: Marcel Prawy, der allen vermittelt, dass alle allen alles verdanken, und Günther Nenning, bei dem es alle schön warm haben. "Wenn Barbra Streisand oder Michael Jackson an der Seite Bill Clintons für die Einheit der USA auftreten, dann verschwinden sie - als Personen - für die Dauer dieser Mission. Wenn in der Staatsoper eine verdiente Persönlichkeit wie Marcel Prawy Geburtstag feiert, dann feiert sich der Staat, das Land fest mit. Das mag, wie man sagt,,menschlicher' sein, aber das führt auch zu jener würgenden Tyrannei der idiotischen Intimität, die das Land, siehe zum Beispiel seine Zeitungen, deformiert. Ich glaube, dass diese Intimität auch Menschenopfer fordert. Von ihrer Popularität umarmt, ja umklammert, verwandeln sich hochbegabte Menschen (man denke nicht zuletzt an Heinz Conrads) in etwas Gallertiges, das durch alle Ritzen dringt und gegen das sich niemand mehr wehren kann."


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