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Ein Lokal, das sich partout nicht festlegen will, und das ganz gut macht


Lokalkritik: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 03/17 vom 18.01.2017


Foto: Heribert Corn

Weiß nicht, mal sehen. Vielleicht, aber ich will mich nicht festlegen. Könnte sein, dass ich später Lust drauf habe – das Prinzip der Unverbindlichkeit ist Lebensmotto vieler Twens und bekommt damit auch für die Gastronomie einen Stellenwert: Wer sich zu sehr definiert, hat bei den Zauderern schlechte Karten, wer eine strikte Entscheidung voraussetzt, schreckt jene ab, die sich lieber alle Möglichkeiten offenhalten wollen.

Ein Lokal, das in der Nähe der Uni aufmacht, muss sich mit der Unverbindlichkeit junger Menschen zwangsläufig auseinandersetzen, und erfolgreich waren hier in den vergangenen Jahren vor allem die, die möglichst viel auf einmal waren, aber nichts davon konkret, also die Bar-Bistro-Café-Lounges.

Ob dies das Konzept von Felipe Palacio Betancourt war oder die Flexibilität des OMU einfach daher rührte, dass der junge Mann schon in so unterschiedlichen Lokalen wie dem Burgtheater-Restaurant Vestibül, der Sushi-Disco Dots, den diversen Lokalen des Neni-Konzerns oder dem Bistro-Wirtshaus-Hybrid Skopik & Lohn arbeitete, ist schwer zu sagen. Aber er gewann im Lauf der Zeit halt eine Vorstellung, wie „sein“ Lokal aussehen sollte. Und als er dann unlängst im Kolin arbeitete, dem vor drei Jahren zu einem Designer-Bistro-Bar-Lounge-Restaurant umgebauten ehemaligen Café Votiv, bot ihm dessen Geschäftsführerin Sabrina Royer-Vdovitchenko die Möglichkeit, diese Vorstellung im soeben frei gewordenen Lokal daneben umzusetzen. Als gewissermaßen unabhängige Kolin-Erweiterung, „es gehört irgendwie dazu und ist irgendwie ein eigenes Ding“. So weit, so konkret.

Das geräumige Souterrainlokal, in dem sich vor ein paar Jahren die Bar Reinberg befand, wurde dunkel ausgemalt, wird nur schwach beleuchtet, bekam eine Theke, ein DJ-Pult, einige Tische drängen sich an den Rand. Es gibt ein paar Biere, ein paar Weine (zu kleine Auswahl!), ein paar Cocktails, ein paar nette Kleinigkeiten zu essen und fallweise wird Musik aufgelegt, also völlig flexibel und der augenblicklichen Stimmung recht leicht anzupassen.

Das Küchenkonzept stammt vom Küchenchef des Kolin und firmiert unter „Small Eats“, also unkompliziert zu verzehrenden Kleingerichten. Wie zum Beispiel Chorizo in Frühlingsrollenteig, knusprig, salzig und lustig (€ 4,60), eher faden frittierten Sardellenfilets mit weißer Cocktailsauce (€ 5,50) und Kokosreisbällchen, einer etwas uneindeutigen Kreation, die irgendwo zwischen Vor- und Nachspeise oszilliert (€ 4,60). Die unvermeidlichen (Mini-)Burger werden hier tatsächlich recht kreativ angelegt, also etwa mit Lachs gefüllt oder mit Roastbeef, das sich als erfreulich zart und schmackhaft erweist (€ 6,50). Sollte man sich übrigens fragen, was OMU bedeutet – es ist das japanische Wort für Papagei. Warum auch immer. Egal, mal sehen, vielleicht.

Resümee:

Das OMU ist genau das richtige Lokal, wenn man noch nicht genau weiß, was man an dem Abend vorhat oder vorzuhaben plant.

OMU
9., Koling. 7
Mi–Sa 17–2 Uhr
www.omu.bar


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