Gelesen Bücher, kurz besprochen


BARBARA TÓTH

Politik | aus FALTER 04/17 vom 25.01.2017

President gesprochenes Wort

Donald Trump war noch nicht einmal formell Präsident, da erschienen Barack Obamas gesammelte Reden schon im Suhrkamp Verlag. Als Taschenbuch, wie gemacht, um sich für den kommenden Trumpismus mit einer Extraportion Barackismus zu wappnen. Trump feuert seine Zoten gerne via Twitter ab, Obama wurde als großer Rhetoriker bekannt.

Seine Art und Weise, Politik über das öffentliche Reden -und auch über Geschriebenes, wie seine Autobiografien -zu machen, inspiriert eine ganze Generation von Politikern. Die vorliegende Redensammlung ist daher nicht nur etwas für Obama-Nostalgiker und Menschen, die Zeitdokumente immer noch am liebsten in Buchform im Regal stehen haben und nicht als Bookmarksammlung am Tablet. Sie ist auch ein Lehrstück für alle, die gerne besser reden lernen wollen.

Es finden sich darin Obamas Rede am Demokraten-Parteitag 2004, als er aus dem in "blaue Staaten" und "rote Staaten" gespaltenen Land wieder "Vereinigte Staaten" formen wollte. Natürlich seine "Yes we can"-Rede aus dem Jahr 2008, seine Nobelpreisrede ("Wir müssen damit beginnen, eine schwere Wahrheit anzunehmen: Wir werden gewaltsame Konflikte in unserer Lebenszeit nicht ausrotten") und die Trauerrede nach dem Schulmassaker in Newtown. Obamas Reden sind immer höchst persönlich, ohne indiskret zu sein, und sie sprechen sein Gegenüber an, ohne holzschnittartig einzelne Stereotype herauszugreifen. Eine der berührendsten Reden im Buch stammt nicht vom Ex-Präsidenten, sondern von seiner Frau Michelle. "Wenn die anderen ihre schlechteste Seite zeigen, zeigen wir unsere beste" - im Englischen ungleich eleganter "When they get low, we go high" - war ihre Antwort auf Trumps machistische Prahlerein. Sie sind auch als Motto für die nächsten vier Jahre absolut passend.

Barack Obama: Worte müssen etwas bedeuten. Suhrkamp, 255 S., € 10,-

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FALTER 17/19
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