BUNDESLÄNDER

Die Hölle kann warten, die Satire nicht

Das Salzburger MotzArt Kabarett Festival zelebriert eine Woche lang große Kleinkunst

MARIA MOTTER | BUNDESLÄNDER : PROGRAMM | aus FALTER 04/17 vom 25.01.2017

Seine Puppen sind jede für sich ein Kunstwerk: Der 29-jährige Nikolaus Habjan ist einer der Künstler, die beim 35. MotzArt Kabarett Festival in Salzburg auftreten werden. Der Klappmaulpuppenbauer und -spieler, der darüber hinaus Kunstpfeifer ist, bringt mit Manuela Linshalm "Schlag sie tot"(28.1., 20 Uhr), einer Produktion des Schubert Theaters Wien, ein bitterböses Puppenkrimi-Musical nach Salzburg mit, in dem auch viel gesungen wird. Eine illustre Gesellschaft wohnt im Altersheim Immergrün, doch ein neuer Mitbewohner macht dem Pflegepersonal zu schaffen. Dieser Herr Berni hat einen schrecklichen Verdacht, dem er auch nachgeht.

Habjans Stück passt ausgezeichnet zum Eröffnungsabend des Festivals, das mehr als nur Unterhaltung bieten will. Markus Grüner-Musil, der künstlerische Leiter der Argekultur Salzburg, möchte das Kabarettfestival als "Wasserstandmelder über den Zustand unserer Gesellschaft" verstanden wissen, "über das politische Leben, über die Moralvorstellungen, über den Zustand der Menschlichkeit im Öffentlichen wie im Privaten".

Die eigene Wirklichkeit inspiriert nicht wenige zu ihren Programmen. So hat Helmuth Vavra, bekannt von Heilbutt & Rosen, sein Solo "Che GueVavra" mit Erinnerungen an sein jugendliches Ich gespickt (31.1., 20 Uhr). Ein großer Charakterzug ist es, über sich selbst lachen zu können, und da ist Vavra vorne dabei. Die Frage, was das Leben ab 50 noch zu bieten hat, stellt sich auch ein anderer. Verdächtig nach Midlife-Crisis klingt die Ankündigung zur Österreich-Premiere von "Hell", dem Programm des deutschen Kabarettisten, Moderators und Comedy-Autors Michael Altinger. Aber es kommt anders: Altinger führt sein Publikum an den fiktiven Ort Strunzenöd, es ist der erste Teil seiner auf sieben Jahre angelegten Trilogie. "Hell" liest man übrigens als deutschsprachigen Titel, die Hölle kann in den pointenreichen Geschichten noch warten (30.1., 20 Uhr). Auch Altingers Kollege von der BR-Sendung "Schlachthof", Christian Springer, ist zu Gast, er präsentiert "Trotzdem" (1.2., 20 Uhr).

Wer Herausforderungen schätzt, sollte "Amen" von und mit Andreas Rebers nicht versäumen (2.2., 20 Uhr). Als Reverend Rebers setzt sich der deutsche Kabarettist mit Rassismus, Religionen und dem aktuellen Weltgeschehen auseinander. Sabine Fischmann und Michael Quast werden sich indes an Georges Bizets "Carmen" abarbeiten ("Carmen à trois", 3.2., 20 Uhr) und last but not least versetzt sich das Duo BlöZinger in "bis morgen" in den Alltag alter Menschen (4.2., 20 Uhr).

35. MotzArt Kabaret Festival, 28.1.-4.2., Salzburg, Argekultur, argekultur.at


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