Kunst Kritik

Schmutziger Nebel, purpurnes Tennis

LEXIKON : KUNST | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Ein purpurroter Tennisplatz unter einem nächtlichen Himmel vermittelt ein Gefühl von Verlassenheit. Eine in Strichen angedeutete Palme setzt auf dem Bild "Behind Purple" von Antony Valerian den horizontalen Linien eine Vertikale entgegen. Das Gemälde "Coconut-Watt" zeigt eine gespachtelte graue Oberfläche, durch die dunkle Stellen hindurchschimmern. Der unregelmäßige Farbauftrag löst keine technischen Assoziationen aus, sondern lässt an die Natur, etwa Nebel oder Schnee, denken.

Antony Valerian, 24, heißt eigentlich Antony Valerian von Renner. Der Hamburger Maler studiert an der Akademie der bildenden Künste bei Daniel Richter und hat in der Galerie Crone seine erste Einzelausstellung. Mit dem Titel "Diamond Dick" (diamantener Schwanz) spielt der Künstler wohl auf das machistische Erbe der von narzisstischen Lümmeln beherrschten Malereigeschichte an, deren Werke gerne in den Salons betuchter Bürger landen. Ein Schuss Ironie ist angebracht, denn der Künstler begibt sich auf das von Klischees beherrschte Feld der figurativen Malerei (siehe auch Feuilleton).

Valerian liefert einen überzeugenden Auftritt, auch wenn seine Vorbilder stark präsent sind. Die in ihren Konturen verfließenden Figuren kennt man von Marlene Dumas, romantische Nachstücke von Peter Doig. Diese Art Malerei besitzt allerdings eine viel weiter zurückreichende Tradition, die lange Zeit im Schatten der als fortschrittlich geltenden Abstraktion stand. Valerians Bildern merkt man an, dass er auch auf den Spuren des Schweizer Modernen Félix Vallotton wandelt, der Reduktion mit Narration verknüpfte. Tennisplätze sind ja auch nichts anderes als Flächen mit geraden Linien. Es gelingt ihm mit elementaren Formen Geschichten zu erzählen und durch eine geschickte Hängung den Raum einzubeziehen. MD Galerie Crone Wien, bis 28.2.


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