Film Neu im Kino

Geschichte mit Kitsch: "Hidden Figures"


SABINA ZEITHAMMER
LEXIKON : KUNST : FILM | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Ohne sie wären die Umrundung der Erde durch den Astronauten John Glenn im Jahr 1962 und der erste bemannte Flug zum Mond nicht geglückt: drei Frauen, drei brillante Mathematikerinnen bzw. Ingenieurinnen, drei Afroamerikanerinnen - Katherine G. Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson. Zur Zeit des "Wettlaufs ins All" bahnten sie sich ihren beruflichen Weg in der von weißen Männern dominierten NASA. Das biografische Drama "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" erzählt ihre Geschichte.

Regisseur Theodore Melfi präsentiert sein von technischen Aspekten durchsetztes Thema in spannender Weise und beleuchtet seine drei sympathischen Heldinnen -mit einem Fokus auf Katherine G. Johnson (Taraji P. Henson) - gekonnt in einer Geschichte. Der Lohn sind Oscar-Nominierungen als Best Picture, Best Adapted Screenplay (Allison Schroeder und Melfi adaptierten das Buch von Margot Lee Shetterly) sowie für Octavia Spencer als Best Supporting Actress in der Rolle der Dorothy Vaughan.

Wirklich glauben will man an einen Preisregen aber nicht, ist "Hidden Figures" doch ein paar kleine, aber deutliche Schritte vom großen Wurf entfernt. Dabei ist kein Zuwenig, sondern ein Zuviel das Problem: Musikalisch wie inhaltlich greift der Film in die Tasten des Feel-Good-Rührstücks, in dem die Rassentrennung wie die böse Hexe eines Märchens Stück für Stück ausgetrieben wird. Als stets top gestylte, fleißige Arbeitsbienen tragen die Heldinnen flammende Worte auf den Lippen, der kernige Chef (Kevin Costner) demontiert höchstselbst Symbole der Diskriminierung, unaufhörlich lächelt John Glenn. So erzählenswert diese Episode der US-Geschichte ist, so sehr hätten Johnson, Vaughan und Jackson sich ein weniger kitschig-konservatives Biopic verdient.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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