Eine Craftanstrengung

Ein Wanderpokal von Lokal wurde wieder einmal neu gemacht. Diesmal mit Bier

LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZERFOTO: HERIBERT CORN | STADTLEBEN ESSEN TRINKEN | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017


Foto: Heribert Corn

Saci, Mühlbach, Glasberg, Freiwild und wahrscheinlich noch vier bis fünf andere Namen mehr trug dieses Lokal ums Eck vom Anzengruber schon. Im Saci wurde Anfang der 90er brasilianische Feijoada gekocht; das Mühlbach war ein Projekt, dessen Entwicklung von Baustelle zu Beisl im damaligen ORF-Jugendmagazin „25“ dokumentiert wurde; ans Glasberg kann ich mich nicht mehr erinnern und im Freiwild versuchte man, auch abseits klassischer Wildwochen Hirsch, Hase und Reh zu verbraten.

Gemeinsam war all diesen Lokalen nur der uralte Stahltresor im mittleren Raum, zu schwer, um ihn zu entfernen, und eine ziemlich große Ambition, hier der Welt szenegastronomisch einen Haxen auszureißen. Eine Tradition, die Markus Kaiser und Oliver Janele aufgriffen: Seit einigen Monaten führen sie hier ihre Craftmühle, und ein Bierlokal war hier immerhin noch nie drin.

Zwei Dinge sind an diesem Beisl besonders. Erstens, dass hier ganz schön gut gestaltet und sehr gut mit Atmosphäre gespielt wurde. Mit klassischen Elementen wie Ziegelwand, Holzboden und Flimmer-Glühbirnen, aber eben auch unter Einsatz von Holzregalen oder Stahlgittern und mit einem durch Stäbe stilisierten Gewölbe – echt nicht schlecht.

Zweitens wird hier ein wenig großspurig angekündigt, dass nur Biere von Freunden gezapft werden, und dass es Bier, das man schon einmal in einer TV-Werbung sah, hier nicht geben werde. Stimmt, denn Partner der Craftmühle ist ein ungarischer Brauerei-Ausstatter, der schon in ganz Europa hippe Microbreweries mit technischem Equipment versorgte und eben auch die Biere liefert. Die man in dieser Stadt bislang tatsächlich nicht kennt. Mittelfristig wolle man an Wiens Peripherie einen Platz zum Selberbrauen finden, erklärt Kaiser, langfristig eine mit Wein & Co vergleichbare Brauerei-Shop-Gastronomie starten. Gute Idee.

Aber bis dahin könnte man in der zweifellos attraktiven, zweifellos biermäßig interessanten Craftmühle vielleicht noch ein bisschen an der Speisekarte arbeiten. Dort drängen sich nämlich die üblichen Verdächtigen, dass es nur so eine Freude ist, nennen wir sie beim Namen: Flammkuchen, Cheeseburger, Pulled Pork. Gut, der Burger wird aus Fleisch von Rindern aus den Voralpen gemacht, eh okay, und der „Ofenfleck“/Flammkuchen mit Salsiccia, Jalapeños und flüssigem Cheddar ist knusprig und macht satt (€ 6,90/8,90), die Fischstückchen bei den Fish & Chips sind vielleicht etwas sehr dick paniert, aber da gibt’s schlechtere (€ 8,70), das geschmacklich eher milde Pulled Pork ist halt so feucht, dass sich das Weckerl auflöst, macht nichts, schmeckt (€ 10,80).

Aber das machen doch alle anderen auch! Kocht was anderes! Bitte! Kocht was Ungarisches oder frittiert von mir aus Hopfen, aber bitte nicht immer diese Burger-Autobahn. Die Biere haben das verdient.

Resümee:

Ein zur Abwechslung wirklich hübsches Bierlokal mit wirklich interessanten Craft-Bieren aus Ungarn. Und mit Essen wie alle anderen.

Craftmühle
4., Mühlg. 20
Tel. 01/992 22 77
Mo–Sa ab 17 Uhr
www.the-tap.bar


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