"Ich hatte urlange Angst vor Falco"

Die Wiener Rapperin und Autorin Yasmo hat sich eine Band zugelegt, die Klangkantine

INTERVIEW: GERHARD STÖGER | FALTER : WOCHE | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017


Foto: Lars Homann

Bekannt als Poetry-Slammerin und Rapperin, steht Yasmin Hafedh alias Yasmo seit einiger Zeit auch einer Band vor. Für ihr neues Album „Yasmo & die Klangkantine“ setzt die 26-jährige Wienerin erstmals auf handgestrickten Jazz und Funk statt auf digitale Beats. Die Präsentation im Konzerthaus ist ausverkauft, den nächsten Wien-Auftritt gibt es am 27. April im Wuk.

Falter: Wie kommt es, dass die Rapperin Yasmo statt eines DJs plötzlich eine Band im Rücken hat?

Yasmo: Ich wollte das schon länger machen, hatte aber kaum Kontakt zur Instrumentalistenszene. Beim inzwischen leider eingestellten Jazzslam habe ich dann den Gitarristen Ralph Mothwurf kennengelernt. Poeten sind da mit Gedichten aufgetreten, die von Musik untermalt wurden. Davor hatte man eine Minute Zeit zu erklären, worum es im Text geht. Ich dachte, das würde sicher in die Hose gehen, aber es hat spontan so gut funktioniert, dass daraus Yasmo & die Klangkantine entstanden ist.

Im Lied „Girls Wanna Have Fun“ treffen sich die Philosophin Judith Butler, die einstige Frauenministerin Johanna Dohnal und Popstar Cyndi Lauper. Drei Heldinnen von Ihnen?

Yasmo: Von Cyndi Lauper habe ich nur den Titel geborgt, Johanna Dohnal aber auf jeden Fall. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass jeder ein bisschen Judith Butler lesen sollte. Sie erklärt die gendertheoretischen Grundlagen, ohne ständig mit komplizierten Zitaten und Referenzen um sich zu werfen.

Wie würden Sie diese Grundlagen kurz und bündig zusammenfassen?

Yasmo: Ach Gott. Alle sind gleich, alle sind gleich zu behandeln, alle sind gleichzustellen. Wir befinden uns seit Jahrtausenden gesamtgesellschaftlich in einer patriarchalen Grundstruktur, die es zu durchbrechen gilt. Sie wurde gebaut wie Lego, und sie muss erst einmal kaputtgehen, damit man mit den Legosteinen etwas Neues errichten kann.

Auch Hip-Hop ist eine Macho- und Konkurrenzkultur. Was reizt Sie dran?

Yasmo: Die Grundlage. Denn vor der Konkurrenzkultur, dem Machogehabe und dem Sexismus steht der inklusive Zugang für alle. Du musst im Prinzip nichts können. Diese Offenheit ist großartig und eigentlich nichts anderes als ein Kinderspiel im Sandkasten. Du möchtest mitmachen, die anderen Kinder fragen dich, ob du ein Haus bauen kannst – und dann machst du das eben. Es gibt keine Barriere, im Hip-Hop mitzuspielen.

Der gegenwärtig so beliebte Cloud Rap setzt auf billige Beats und lustig-drogenverstrahlten Vortrag. Sie bilden so etwas wie die Antithese dazu?

Yasmo: Vielleicht, ja, aber nicht beabsichtigt. Cloud Rap lässt mich persönlich zwar mit einer Mischung aus Erstaunen und Fassungslosigkeit zurück, aber: Jeder wie er meint.

Kann es sein, dass Sie Hip-Hop für Menschen machen, die mit Rap gar nicht so viel anfangen können?

Yasmo: „Ich mag eigentlich keinen Hip-Hop, aber das, was du machst, gefällt mir“, habe ich tatsächlich schon oft gehört. Wir bedienen eine Nische, die andere aus dem Poetry-Slam kommende Künstler mit aufgebaut haben.

Sie wirkten zuletzt auch in einer Theaterperformance mit, „Beyoncé verpasst Nick Cater eine Watschn und heiratet sich selbst“. Worum geht’s da?

Yasmo: Formal an die TV-Show „Saturday Night Life“ angelehnt, geht es thematisch um vier in den 90ern geborene Frauen, die stark von Popkultur geprägt sind und im Pop den Feminismus gefunden haben. Disney-Prinzessinnen und Girlbands kommen vor, der Sexismus im Rap, Mansplaining und viele derartige Aspekte mehr.

Ist Beyoncé denn mehr Disney-Prinzessin oder mehr toughe Heldin?

Yasmo: Toughe Heldin natürlich! Sie war mal ein bisschen eine Prinzessin, hat sich da aber selbst rausgeholt.

Welchen Bezug haben Sie zu Falco?

Yasmo: Ich hatte urlange Angst vor ihm. Als Natascha Kampusch entführt wurde, war ich sieben oder acht. Aufzupassen war ein großes Thema, und eine Volksschulfreundin hat mir damals sein Lied „Jeanny“ vorgespielt. Irgendwie ist das in meinem Kopf auf wirre Kinderart verschmolzen, und ich dachte, Falco ist der böse Kindesentführer. Heute finde ich ihn durchaus cool und was er für die österreichische Popkultur gemacht hat, ist natürlich super. Sein Gehabe wirkt aber doch sehr machoid, da fehlt mir letztlich der Zugang. Aber vielleicht sind das auch nur Reste der „Jeanny“-Angst, die ich bis heute nicht überwunden habe.

Fällt Ihnen spontan ein Vierzeiler ein, in dem Yasmo und Falco vorkommen?

Yasmo: „Falco hat „Amadeus“ / Yasmo hat die Klangkantine / Falco hat Kampusch nicht entführt / Yasmo hat 1000 Liebe.“

Konzerthaus, Berio-Saal, Fr 21.00 (ausverkauft)


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