Stadtrand Urbanismus

Der verschepperte Rathausplatz

Birgit Wittstock fühlt sich ob der neuen Eistraum-Attraktion gehäkelt | STADTLEBEN | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Als Bewohnerin dieser Stadt hat man den Rathausplatz eigentlich eh schon längst abgeschrieben. Er ist kein öffentlicher Raum, den man nach eigenem Gutdünken nutzen kann. Zu lange schon ist er 365-Tage-Universal-Location für diverse Events und Festivals. Die Veranstaltungen haben sich langsam eingeschlichen (1.-Mai-Kundgebung der Sozis ab 1921), etablierten sich (ab 1979 mit dem Christkindlmarkt und dem Wiener Musiksommer), wurden immer mehr (ab 1996 mit dem Eistraum, dem Argus-Bike-Festival und der Life-Ball-Eröffnung) und hörten schließlich gar nicht mehr auf (2007 war der Platz an nur noch 22 Tagen ungenutzt).

Nun hat die Stadt die Privatisierung des öffentlichen Raums endlich offiziell gemacht: Seit dem 24. Jänner steht neben der Eislaufbahn ein dreistöckiger Glaskubus, in dem der schwedische Autohersteller Volvo Fahrzeuge ausstellt. Dafür steckt der Konzern auch ein Körberlgeld in die Eistraum-Kassa. Und was macht die Stadt Wien Marketing GmbH? Sie versucht, die schaurige Werbefläche als Kunstwerk zu verkaufen: "Mit dem innovativen Volvo Design Cube ist der Wiener Eistraum um eine Attraktion reicher."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige