Film Neu im Kino

Liebesgeständnisse wie aus der Zeit gefallen

VANESSA SCHARRER | LEXIKON :FILM | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Zwei Personen sitzen an einen Tisch in einem vor Blumen und Grün überquellenden Garten, der zu einem Haus in der Nähe von Paris gehört. Eine Frau (Sophie Semin) und ein Mann (Reda Kateb) tauschen sich über ihre Sehnsüchte, Erfahrungen und Gefühle zum Thema Liebe aus - oder genauer: Sie beantwortet seine Fragen dazu. Denn wir erfahren deutlich mehr über ihre Erlebnisse als über seine, er scheint sie zu interpretieren. Hinter ihnen, im dunklen Schriftstellerraum vollgestopft mit Büchern, sitzt der Autor der beiden Figuren und schreibt ihnen an der Schreibmaschine die Worte in den Mund. Zwischen den Akten spielt es Liebeslieder aus der Jukebox, manche davon von Nick Cave, und zum Schluss sitzt dieser plötzlich selbst am Klavier und spielt.

Der Film "Die schönen Tage von Aranjuez" ist eine Zusammenarbeit von Peter Handke und Wim Wenders, welcher Handkes Theaterstück aus dem Jahr 2012 als Grundlage nimmt. Wenders inszeniert das Stück wie von ihm gewohnt in 3D, was dem Film einen erstaunlichen Theatercharakter mit Vorder-und Hinterbühne verleiht.

Es dreht sich alles um das Thema Liebe und auch Sex. Wer sich nun jedoch auf Dirty Talk freut wird enttäuscht. So frivole Wörter wie "vögeln" oder "ficken" sind schlichtweg unangemessen in einem intellektuellen Rahmen wie diesem. Boshaft könnte man sagen, man merkt es dem Film an, dass es sich hier um ein Projekt von zwei alternden Herren handelt, die sich an das Thema Liebeleien herangemacht haben. Die Erzählungen der Frau bewegen sich zwischen Prüderie und Philosophie, so stellt man sich das Geflüster in einem Mädcheninternat unter der Bettdecke vor. Insgesamt fehlt diesem Film eine mächtige Portion an Modernität und Selbstironie, da hilft die schöne Kulisse leider auch nicht viel. Bereits in den Kinos


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