Kommentar Museumspolitik

Ohne Aufregung: die Leitung des Hauses der Geschichte


MATTHIAS DUSINI
MEINUNG | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Die neue Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich (HGÖ), Monika Sommer-Sieghart, ist das Gegenteil eines Frühstücksdirektors. So werden Kulturmanager genannt, die von der Sache wenig Ahnung haben, aber aufgrund ihrer Kontakte und Prominenz einem Museum zu größerer Sichtbarkeit verhelfen.

In der Zunft der Historiker und Historikerinnen ist die 42-jährige Oberösterreicherin kein großer Name. Ihre Stärken liegen im Bereich der Geschichtsvermittlung. Sommer-Sieghart arbeitete mehrere Jahre an der Seite des umtriebigen Wien-Museum-Direktors Wolfgang Kos. Sie war Mitglied des Vereins schnittpunkt. ausstellungstheorie &praxis, der Themenausstellungen kritisch hinterfragt. Die Zeit, in der die Geschichte großer Herrscher anhand von Kronen und Schlachtenkarten erzählt wurde,

ist vorüber. Mit dem Haus der Geschichte Österreich übernimmt Sommer-Sieghart ein Museum, in dem die Verbrechen des Nationalsozialismus ein zentrales Thema sein werden. Es besteht kein Zweifel, dass sie in dieser schwierigen Materie bewandert ist. Eine Ausstellung über Orte der Deportation von Wiener Juden ist derzeit im Äußeren Burgtor zu sehen.

Es wäre allerdings auch schwierig gewesen, eine bekannte Museumsmanagerin für den Job zu interessieren. Sommer-Sieghart steht noch ohne Sammlung da und soll bis November 2018 eine Schau über 100 Jahre Republik aus dem Boden stampfen. Die verzagte staatliche Kulturpolitik machte aus einem Haus der Geschichte eine Wohngemeinschaft, die sich den Raum in der Neuen Burg mit anderen Institutionen teilen muss. Sommer-Sieghart wird ins kalte Wasser springen. Sie muss dann beweisen, dass sie besser ist als ihr Arbeitsplatz.


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