Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Wilder Wein von Nancy Seymann

Eine verlorene und wiedergefundene Tochter und ihre Weine

STADTLEBEN ESSEN TRINKEN | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Nancy ist eigentlich Künstlerin, und damit passt sie gut ins Weinviertler Pulkautal, das so lieblich wie verschlafen ist und Individualisten sehr viel Raum lässt.

Ihre Geschichte ist so stark wie ihre Weine. In den USA geboren, erfuhr sie erst mit 57 Jahren, dass ihr echter Vater ein ehemaliger türkischer Kampfpilot war, der sich in seiner Ausbildungszeit in Mississippi in ihre Mutter verliebte.

Weil Vural Akinci aber schon verheiratet war, genauso wie ihre Mama Mary Lee, blieb es nur bei einer Affäre. Ihre Mutter Mary trennte sich später von ihrem Mann und verheimlichte Nancy ihre wahre Abstammung. Bis sie eines ihrer fünf Geschwister übers Internet ausfindig macht. Nancy würdigt ihre Geschichte, indem sie sich Nancy Lee Akinci Seymann nennt. Sie ist angekommen. Ihre Weinhandwerkerei in Karlsdorf hat drei Hektar, gemeinsam mit ihrem Mann Harald -im Nebenberuf Kameramann -und Sohn Laurin -gelernter Winzer - wird biologisch gearbeitet. Hier entstehen aber nicht nur Weine, sondern weit mehr: Lesungen, Buschenschank, kulinarische Abende. Die Seymanns sind ein kleines Gesamtkunstwerk . Für den "Wilden Wein" nahmen sie Cabernet Franc und Blauburger aus 2011 und 2012 und ließen ihn zwölf Monate in Allier-und Balkaneiche reifen. Das Ergebnis ist intensiv, beerig, kräftig und sehr komplex -wie die Menschen, die ihn machen. BT

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise umsonst zur Verfügung gestellt


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