Musiktheater Kritik

Musikantenstadl in Dorf und Kirche

LEXIKON : MUSIK : KINDER | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Komponist Dario Farina hat vor Jahren den bekannten Italopophit "Felicità" verfasst und auch für Gitte Haenning oder Caterina Valente komponiert. Seine Songs im Musical "Don Camillo &Peppone", inklusive einer eingängigen Schnulze für das junge Liebespaar und weiterer Schmachtfetzen, sollten nach Absicht der VBW-Betreiber wohl auch zu Hits werden. Aber selbst die trivialen deutschen Schlager von einst waren besser.

Der als fanatischer und pfiffiger Fundi-Katholik gezeichnete Dorfpfarrer (Andreas Lichtenberger), der, wenn er grinst, sogar manchmal ein Fernandel-Pferdegebiss vorzeigt, verkündet in einem Sololied, immer auf der Seite der Armen zu stehen; der Prolo-Bürgermeister Peppone (Frank Winkels) gibt auch schon mal ein Bekenntnis zur "Heimat" ab (heute wäre er ein Sozi oder grüner Präsidentenkandidat). Zu lachen gibt es nicht viel, am ehesten noch, wenn der alte Haudegen Ernst Dieter Suttheimer als Großvater Nonno der Dorflehrerin nachstellt.

In diesem Dorf-Musicalstadl mit dilettantischen Choreografien im schnell wechselnden Einheitsbühnenbild gibt es im Buch von Michael Kunze noch Maya Hakvoort als hinkende Greisin, die sich an damals erinnert und in ihren Liedern als Erzählerin Tränenrührendes von sich gibt. Als alte Gina (die junge ist in der in der Nachkriegszeit spielenden Handlung des Musicals die Tochter eines reichen Grundbesitzers, die in den Sohn eines armen Bauern verliebt ist) muss sie fast ständig auf der Bühne wie ein stummes Schreckgespenst mit dabei sein, wofür man die an sich gute Musical-Doyenne bedauern muss. Die Schlussmoral des "Lieber miteinander als gegeneinander" der in zwei Lager gespaltenen Dorfgemeinschaft trieft vor Banalität, der poetische Realismus von Guareschi und der Filme bleibt auf der Strecke. HR Ronacher, Fr, Sa, Do 19.30, So 16.30, Di, Mi 18.30

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