Kunst Kritik

Mit der Kamera durch die Dunkelheit

LEXIKON : KUNST | aus FALTER 05/17 vom 01.02.2017

Im Untergeschoß des Kunstforums, im sogenannten "tresor", werden parallel zur Schau Georgia O'Keeffe Arbeiten sechs heimischer Künstlerinnen und Künstler gezeigt, die die Bank Austria angekauft hat. Bühne und Theatralität stehen im Mittelpunkt dieser reizvollen Auswahl, die unter dem Titel "White Cube -Black Box" läuft. Wie oft in Sammlungsausstellungen, kommen dort Kunstwerke zusammen, die sich unerwartet gut ergänzen.

So hat Florian Pumhösl 2005 eine Reihe von vier schwarzen Bildtafeln kreiert, die er in Kombination mit Glasstücken zu "Beweglichen Bühnen" erklärt. Neben diesen abstrakten Bühnenmodellen steht Markus Schinwalds Skulptur "Emma", eine Art großes, weißes Blockmännchen, auf dessen quadratischem Rumpf ein von dem Künstler verfremdetes Porträtbild hängt. Das Gemälde wurde so übermalt, dass es aussieht, als würde die junge Frau eine Art Prothese über den Lippen tragen. Schinwald kombiniert hier die niedliche (Kommerz-)Figur eines Maskottchens mit den Zwängen akademischer Malerei von gestern.

Ein hintersinniges Spiel mit Hintergrund und Tarnung treibt hingegen die 1984 geborene Stephanie Klaura. Ihre Installation besteht aus einer textil bespannten Wand in schwarz-weißem Rautenmuster, vor der die Besucher in Overalls mit demselben Ornament schlüpfen und auf diese Weise visuell verschwinden können - die richtige Arbeit im Zeitalter der Überwachungskameras.

Eine nächtliche Kamerafahrt bietet Nadim Vardag in seinem Video "Opening Shot", das er beim Schindler House in Los Angeles gedreht hat. In Referenz auf Orson Welles' Film "Touch of Evil" inszeniert Vardag einen krimihaften Rundgang im dunklen Haus, der jedoch digital generiert wurde. NS Kunstforum Wien, tresor, bis 26.3.


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