Personen, Trends, Kampagnen

Der ATV-Deal: Bildet sich gerade ein Kartell?


Beobachtung: Anna Goldenberg
Medien | aus FALTER 06/17 vom 08.02.2017

Komasaufende Teenager ("Saturday Night Fever"), teetrinkende Adelige ("Downton Abbey") und Politikinterviews ("Klartext") machten den Privatsender ATV bekannt. Nun gerät er wegen eines umstrittenen Deals in die Schlagzeilen. Seit 2008 ist die Tele-München-Gruppe des Unternehmers Herbert Kloiber Alleineigentümer von ATV. Im Vorjahr erklärte Kloiber, ATV sei sein "größter Fehler" gewesen. Der Sender schrieb jährlich Verluste im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Kloiber wollte verkaufen.

Mediaprint (Krone und Kurier), die Österreich-Gruppe und Heute-Herausgeberin Eva Dichand bekundeten Interesse. Doch Kloiber verhandelte bis dato nur mit der ProSiebenSat.1-Gruppe, die ihm rund 20 Millionen Euro geboten haben soll.

Das Angebot ist kartellrechtlich heikel. Beim Bruttowerbevolumen im Fernsehen ist ProSiebenSat.1-Puls4 - zu der auch die Sender Kabel1 und Sixx gehören - schließlich schon marktbeherrschend. Der Zusammenschluss mit ATV würde nicht nur die Position der Gruppe zementieren und könnte Preise für TV-Spots in die Höhe treiben. "Der sehr kleine Fernsehmarkt in Österreich würde eine kritische Stimme verlieren, einen Innovationsmotor, der viel für die Vermittlung von Politik in Österreich getan hat", schrieben ATV-Journalisten in einem offenen Brief an die Wettbewerbsbehörde.

Am Donnerstag gab die Wettbewerbsbehörde bekannt, dass dem Zusammenschluss mit ProSiebenSat.1-Puls4, der österreichischen Tochter der deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe, mit geeigneten Auflagen stattgegeben werde.

In den nächsten Tagen werden die Auflagen der Wettbewerbsbehörde verkündet.


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