Kritik

Wenn Schnipsel wie Diamantstaub glitzern

NS | Lexikon | aus FALTER 06/17 vom 08.02.2017

Das Medium der Collage - nicht nur der digitalen, auch der aus Papierschnipseln -ist heute wieder sehr beliebt. Die Schau "Stratified. Fragmentierte Welt(en)" bei das weisse haus zeigt die Aktualität des vor rund 100 Jahren von den Kubisten erfundenen Bildtypus. Mit einer Auswahl von 18 Positionen hat das Kuratorenduo Günther Oberhollenzer und Sandra Schwender einen dichten und abwechslungsreichen, wenngleich auch etwas beliebigen Rundgang gestaltet.

Spätestens seit Max Ernst gehört zur Collage eine satirische Verspieltheit, die Abgründiges aufdeckt. Stark lebt dieser Einfluss in Alexandra Baumgartners Fotoarbeiten fort. Die Künstlerin montiert sie aus alten Found-Footage mittels Brandlöchern; so erhält etwa eine Frau ein Raubtiermaul anstelle ihres Gesichts. Viel zu sehen geben die auf dünnen Holzplatten produzierten Bilder, bei denen Larissa Leverenz einen ganz eigenen Mix von Malerei, Zeichnung, Druck und Collage zur Perfektion bringt. In den surrealen Bildern der 1978 in Köln geborenen Künstlerin kollidieren unterschiedliche Perspektiven so raffiniert, dass sie auf den ersten Blick gar nicht zu fassen sind.

Architektur steht im Zentrum der Raumcollagen von Anita Witek, Moni K. Huber und Claudia Larcher. Während Witek mit einer mäandrischen Wandarbeit aus Papier einen visuellen Strudel erzeugt, hält Huber in Pastellfarben das Interieur eines verlassenen modernistischen Gebäudes von mehreren Winkeln fest. Larchers Video "Noise above our heads" zeigt nichts als Felsenwände, diese wirken aber eigenartig komprimiert und streifen auch in den Berg gebaute Besucherräume.

Wie eine Nachtansicht auf Los Angeles mutet Gabi Trinkaus' aufwendige Collage "The Diamond Cruncher" an, die aus Tausenden Schnipseln aus Hochglanzmagazinen geklebt ist.

das weisse haus, bis 25.3.


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