Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Zeit und Brot

AT
Falter & Meinung, FALTER 07/17 vom 15.02.2017

Es waren Zeiten, da Christian S. Ortner Kommentare im Falter schrieb. Er war Chefredakteur der Wirtschaftswoche gewesen, die gerade eingestellt worden war. Also boten wir ihm Asyl. Und was er schrieb, war polemisch, witzig und richtig, weit entfernt von jenem Ortner, der uns heute in rechtspolemischen, marktrabiaten Kommentaren begegnet. Er forderte den Gesundheitsstadtrat auf, von Amts wegen Heroin zu verkaufen. Der Staat sollte es richten, und weil er es nicht tat, goss Ortner bitteren Spott über den Stadtrat aus: "Dealer, wählet Rieder!

Doris Knecht fragte die neue Frauenministerin Barbara Prammer, ob Madonna als aktuelles feministisches Role-Model dienen könne. Das wisse sie nicht, sagte Prammer, aber sie werde die Gesellschaft daraufhin "sehr aufmerksam" beobachten. In der SPÖ gab es einen neuen Bundesgeschäftsführer. Kanzler Viktor Klima holte Andreas Rudas vom ORF, und der Falter fragte den Neuen natürlich, ob er nicht Politik insgesamt vom Mediensystem bedroht sehe. Rudas antwortete: "Tony Blair zeigt gerade in England, wie man moderne Sozialdemokratie darstellen kann, dass sie bei den Medien ankommt. Ich will wissen, worum es den Menschen geht, entsprechend politische Positionen entwickeln und dann mithilfe eines guten Kommunikationskonzepts die Menschen von der Richtigkeit der Argumente überzeugen." Zwei Jahre später verlor die SPÖ die Wahl an die FPÖ.

Rachel Whitereads Entwurf für ein Holocaust-Denkmal auf dem Wiener Judenplatz bot Anlass für eine Debattenserie. Diesmal steuerte der Philosoph Konrad Paul Liessmann den Essay "Auschwitz als Kunstgenuss" bei. Fazit: Wir sind der Vergangenheit nicht entkommen. "Aber eine kritische Reflexion dessen, was wir tun, ist wohl das Mindeste, was wir uns selbst abverlangen können."

Der Investor und Manager Helmut Schuster verkaufte Ankerbrot, damals wie heute Österreichs größte Brotfabrik, mehrheitlich an den deutschen Großbäcker Müller (heute ist Anker wieder in österreichischem Eigentum). 150 klassische Bäcker gab es damals noch in Wien.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

FALTER 21/19
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige

Anzeige