Schonkost für Bildungsbürger

Clubbing statt Dinner: Wie der neue Intendant Tomas Zierhofer-Kin mit DJ-Kultur und Queerperformance die elitären Wiener Festwochen aufmischt

VORGLÜHEN: MATTHIAS DUSINI UND MARTIN PESL | Feuilleton | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017


Foto: Heribert Corn

Vor der Wohnungstür von Wiener-Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin steht eine Ikea-Tasche mit leeren Weinflaschen. Der 48-jährige Kulturmanager lud in sein Heim in einem unscheinbaren 50er-Jahre-Haus am Naschmarkt, um seine Pläne für das Festival zu erläutern. Hund Farkas springt den Gästen entgegen, im Wohnzimmer wächst ein kleiner Wald tropischer Pflanzen. Der Hausherr Zierhofer-Kin trägt ein leichtes Hemd mit expressivem Muster und zündet sich eine Zigarette an.

Zierhofer-Kin will alles anders machen. Die Pressekonferenz tags zuvor fand nicht in der Innenstadt, sondern in dem von Flüchtlingen betriebenen Magdas Hotel im Prater statt. Gewöhnlich wird das Publikum bereits im Dezember über das Programm informiert, diesmal erst drei Monate vor Eröffnung der prestigeträchtigen Veranstaltung, die in den 1950er-Jahren gegründet wurde und von der Stadt Wien mit 10,5 Millionen Euro gefördert wird.

Das Event galt in erster Linie als Theater- und Opernfestival, das die besten internationalen Produktionen nach Wien bringt. 2017 beschränkt sich dieses Angebot auf eine Handvoll großer Namen. Der Stadtraum selbst war bisher in einer Nebenschiene mit dem Titel „Into the City“ ein Thema, nun kehrt sich das Verhältnis um. Zentraler Veranstaltungsort ist ein ehemaliges Fabriksgelände im zehnten Bezirk, während die großen Bühnen zu Nebenschauplätzen schrumpfen.

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