Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Wiener Cicheti der Welt der Woche


BARBARA TÓTH
Feuilleton | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Sie liegt genau richtig im Abseits, wie es sich für eine gute Tagesbar gehört. Sie ist klein, sehr klein, sie ist zeitlos schön - gestaltet von Hermann Czech -, und sie ist vor allem sehr italienisch: die neu eröffnete Cin Cin Bar in der Schottengasse 2, am Weg zum Juridicum. Am allerbesten aber ist: Hier gibt es Baccalà mantecato, Basis für eines der besten venezianischen Cicheti der Welt.

So, das waren jetzt vielleicht etwas viele italienische Fanwörter auf einmal. Also der Reihe nach. Cicheti nennen Venezianer kleine Häppchen, die sie am frühen Abend zu einem Schluck Wein oder Prosecco naschen, im Stehen, an der Bar oder vor dem Lokal, auf dem Gehsteig. Das können kleine belegte Brötchen sein, frittierte, faschierte Bällchen oder eben ein Baccalà mantecato: Stockfischpüree.

Guter Baccalà mantecato war in Wien bisher kaum zu bekommen, wer weiß, warum. Schließlich haben es andere Klassiker italienischer Barkultur wie ordentlicher Caffè oder der Aperol Spritz schon in den letzten Jahren über die Karawanken ins Wiener Sumpfland geschafft.

Stockfischpüree ist eigentlich "cucina povera", Arme-Leute-Küche. Basis ist getrockneter und eingesalzener Kabeljau aus Norwegen, der in Italien wie Portugal bis heute beliebt ist und früher, vor Erfindung von Kühlketten, frischen Fisch ersetzte. Die Venezianer weichen ihn ein, kochen ihn in Wasser oder Milch und schlagen ihn lauwarm mit Olivenöl zum Püree auf. Das Sämige der Creme, dazu der leicht salzige Fischgeschmack - perfekt.

Im Cin Cin gibt es hausgemachtes, getoastetes Brot dazu. Gut. Noch besser schmeckt Baccalà mantecato auf kurz gegrillten Polentaschnitten. Im Idealfall aus weißer Polenta. Dafür muss man derzeit noch nach Venedig fahren. Aber wer weiß, vielleicht reicht bald auch ein Abstecher ins Cin Cin.


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