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Youtuber PewDiePie hat es sich verscherzt


ANALYSE: ANNA GOLDENBERG
Medien | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Auf der Microjob-Plattform Fiverr bieten Freiberufler ab fünf Dollar ihre Dienste an. Wie absurd die Plattform sei, wollte Youtube-Star Felix "PewDiePie" Kjellberg aufzeigen. Also beauftragte er über Fiverr zwei Inder, die am Straßenrand ein Schild mit "Death to all Jews" hochhalten. PewDiePie machte daraus ein Video und postete es auf Youtube. Er erreichte damit Millionen Menschen.

Das Wall Street Journal schrieb daraufhin einen Artikel und führte weitere Beispiele an, in denen Kjellberg antisemitisches Material verwendet. Als Folge kündigte das Youtube-Netzwerk Maker Studios, eine Tochterfirma von Disney, seinen Vertrag. Youtube setzte außerdem die zweite Staffel seiner Youtube-Serie "Scare PewDiePie" ab und schloss Kjellbergs Kanal vom Werbeprogramm Google Preferred aus. Seinen "PewDiePie"-Kanal behält Kjellberg zwar, aber der Weg zum Werbekuchen wird ihm dadurch erschwert.

Im neuen Video gibt sich der 27-Jährige kampfeslustig: "Try again, motherfuckers", sagt er in Richtung Wall Street Journal und streckt seinen Mittelfinger in die Kamera. Er sieht sich als Opfer, die Medien würden Internetstars einfach nicht mögen und immer nur über sein Geld (2016 verdiente er 15 Millionen US-Dollar) schreiben. Kjellberg erklärt, er unterstütze keine Neonaziseiten wie "The Daily Stormer", die sich nun als Fans outen. Beunruhigend sind seine Hetze gegen die Medien und der achtlose Umgang mit Nazisymbolen trotzdem. Im Video klingt er wie eine eloquente, gutaussehende Version von Donald Trump. Bleibt die Frage, ob auch seine minderjährigen Zuseher verstehen, dass es ein Scherz sein soll, wenn eine Jesus-Figur sagt, Hitler hätte nichts falsch gemacht.


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