"Das Leben kennt keine Genres"

Paul Verhoevens Film "Elle" verzichtet beim Thema Vergewaltigung auf gängige Bilder: eine Glanzrolle für Isabelle Huppert

HAUSBESUCH: GERHARD MIDDING
Feuilleton, FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Für dieses eine Mal in seiner Karriere ist Schaulust die falsche Vokabel. Bislang durfte man sie Paul Verhoeven stets unterstellen, wenn er Gewalt und Sex auf der Leinwand zusammenbrachte. In den ersten Augenblicken von "Elle", als sich etwas Ungeheuerliches ereignet, bleibt die Leinwand schwarz. Aus dem Off ist der Tumult eines Kampfes zu hören, von dem der Zuschauer vorerst nicht sagen kann, warum er so erbittert ausgefochten wird.

Das erste Bild zeigt eine Katze, die teilnahmslos die dramatischen Ereignisse verfolgt. Erst danach ist zu sehen, was sich im Dunkel der Fantasie zugetragen hat. Ein Mann, der eine Skimaske trägt, erhebt sich von einer Frau, die in zerrissenen Kleidern auf dem Boden liegt. Der Maskierte wischt sich die Lenden mit ihrem Slip und wirft ihn verächtlich fort. In der ersten Minute seiner Verfilmung von Philippe Dijans Roman "Oh " macht Verhoeven den Zuschauer zum Ohrenzeugen einer Vergewaltigung.

Das ist eine Entscheidung von hoher erzählerischer Moral. "Mein

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