Wenn am Steinhof die Bäume fallen

Jahrelang kämpften Bürgerinitiativen gegen die Neubebauung des Otto-Wagner-Areals. Renitente Baumliebhaber gegen sozialen Wohnbau? Oder ein weiterer Bauskandal?

ERKLÄRSTÜCK: MAIK NOVOTNY UND BIRGIT WITTSTOCK | Stadtleben | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017


Foto: Heribert Corn

An dieser Stelle ist der Kampf verloren. Hinter einem hohen, mit weißen Planen verhängten Zaun am östlichen Rand des Otto-Wagner-Spitals unweit der Kapelle, wo einst Angehörige von verstorbenen Patienten Abschied nahmen, wurden vergangene Woche 98 Bäume gefällt. Demnächst werden hier Bagger und schwere Baugeräte auffahren, die in den kommenden Monaten neue Wohnbauten der Gesiba hochziehen sollen. Jahrelang hatten Bürgerinitiativen gegen den Bau auf dem Wirtschaftsareal des Jugendstilensembles gekämpft. Von einem „Valentinsmassaker“ sprachen nun die Gegner des Projekts, von einem Klassenkampf alteingesessener Anrainer, die in ihrer gehobenen Wohngegend am Rande der Steinhofgründe gegen die neuen Mieter der geplanten Sozialwohnungen der Gesiba aufbegehren würden, sprechen die Befürworter. Worum es beim Streit um den Steinhof eigentlich geht:

Moment einmal: Steinhof, Baumgartner Höhe, wie heißt es denn nun?

Das ist erstaunlich kompliziert. Der Name „Steinhof“ ist ein Hinweis auf die ehemaligen Steinbrüche und ist die alte Flurbezeichnung. Die „Steinhofgründe“ bezeichnen den unbebauten oberen Teil des Areals. Otto Wagners Kirche am Steinhof, am höchsten Punkt des Spitalareals, heißt also zu Recht so. Die Einrichtung hieß ab 1907 „Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke Am Steinhof“, ab den 1960er-Jahren „Psychiatrisches Krankenhaus Baumgartner Höhe“. Und dann gab es auch noch jenen Teil der Anstalt, der zeitweise „Am Spiegelgrund“ hieß. Von dort wurden im Rahmen der „Aktion T4“ im Nationalsozialismus mehr als 3200 Patienten abtransportiert und ermordet. Seit 2002 erinnert die Gedenkstätte Steinhof an die Verbrechen.

  2419 Wörter       12 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige