Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Identitäten


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Falter & Meinung | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Das Land hatte einen neuen Innenminister. Karl Schlögl (SPÖ). Originell: Er kam aus Niederösterreich und sollte den Hardliner spielen. Prima Grundrezept. Seither wird man nicht müde, es uns zu verfüttern, und dabei sind wir schon so satt. Aber es geht immer noch ein Blatt. Schlögls Idee: "Restriktive Zuwanderungsbestimmungen sollen helfen, den Arbeitsmarkt zu entlasten!" Des is amol a Käs, der schmeckt. Endlich amol! Als Beispiel erwähnte Schlögl 110.000 Menschen vom Balkan, die sich in Bundesbetreuung befanden. 70 Prozent wollten Schlögl zufolge wieder zurück. Geblieben sind am Ende 90.000, und Österreich hat sie gut verdaut. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auf dem Cover fand sich Courtney Love. Die Sängerin machte sich bemerkbar, weil sie in einem unerheblichen Film über den Pornoheft-Produzenten Larry Flynt mitspielte und eine Rollenverwandlung vollzogen hatte. Vor ein paar Jahren war man Courtney noch im U4 auf Du und Du gegenübergestanden, wo sie mit Drogen, Sex und Alk nicht geizte. Ja "sie hat mit ihrer Sexualität und ihrem entblößten Körper nie gelockt, sie hat damit zugeschlagen", wie Doris Knecht schrieb.

Damit wurde sie für eine "halbe Generation junger Frauen" ein Signal "für die Entdeckung einer weiblichen Identität, die sich nicht an männlichen Vorstellungen orientierte". Nun aber spielt Love ein neues Spiel. "Sie ist jetzt 31 und umgibt sich mit einer neuen Art Unsichtbarkeit, indem sie sich an das Image des Hollywood-Blondchens von nebenan anpasst: Sie trägt ihre Wäsche seit neuestem unter den Kleidern, will nicht mehr über Drogen sprechen, hat sich einen moderaten Lippenstift und einen Kamm zugelegt und jenes einnehmende, charmante Lächeln, mit dem Journalisten von Hochglanzblättern zu korrespondieren in der Lage sind. Und siehe da, auf einmal wird sie großräumig geliebt."

Über den Flynt-Film von Miloš Forman (!) urteilte Wolfgang Kralicek vernichtend: "Einen Film, in dem die Schamhaargrenze nur einmal unterschritten wird, hat sich Larry Flynt einfach nicht verdient."


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