And the Oscar goes to...

Am Sonntagabend werden in Los Angeles die begehrtesten Filmtrophäen der Welt verliehen

Vorschau: Michael Omasta, Sabina Zeithammer | Lexikon | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017


Foto: Constantin Film

Man mag über die Oscars denken, wie man will: Als Spektakel und globales Filmevent stellt die zugehörige Gala, die diesen Sonntag zum bereits 89. Mal stattfindet, sämtliche vergleichbare Veranstaltungen in den Schatten. Grund genug, die wichtigsten Nominierungen des heurigen Jahres noch einmal vorab Revue passieren zu lassen.

Der Überflieger

Mit insgesamt 14 Nominierungen hat „La La Land“, das Nostalgiemusical von Jungfilmer Damien Chazelle, tatsächlich gute Aussichten, zur meistdekorierten Produktion aller Zeiten zu werden. Bisheriger Spitzenreiter ist „Titanic“, der es 1997 bei 14 Nominierungen auf elf Auszeichnungen brachte. Kitsch zieht eben am besten.

Unser Wunschkandidat

Ja, wir lieben ihn, empfehlen ihn und würden ihm, säßen wir in der Jury, zumindest drei Oscars verleihen: Bester Film, Bestes Originaldrehbuch und Beste Regie wünschen wir Kenneth Lonergans „Manchester by the Sea“. Die behutsam erzählte, bedacht inszenierte und toll gespielte, schmerzliche Familiengeschichte zeichnet sich durch ihre tiefe Menschlichkeit aus. Unvergesslich, wie der Film bei der Viennale den ganzen Saal in Ergriffenheit vereinte.

Rotz und Wasser

„Schnäuz di ins Handtiachl!“, möchte man Rose Maxson, die selbiges in der Hand hält, zurufen. Doch Denzel Washington vertritt in „Fences“, was so mancher Filmemacher für eine Wahrheit hält: Wenn es richtig schlimm ist, müssen Tränen und Rotz fließen. Für ihre Darstellung einer Frau, die im Amerika der 1950er-Jahre eine schwierige Patchworkfamilie zusammenzuhalten versucht, hat Viola Davis jedenfalls den Oscar als beste Nebendarstellerin verdient.

Bester Außenseiter

Zuerst hat sich Viggo Mortensen als tapferer Aragorn der „Herr der Ringe“-Trilogie in die Liga der Spitzenverdiener katapultiert, danach war er als Dr. Freud und William S. Burroughs zu sehen, und in „Captain Fantastic“ hat der Schauspieler zuletzt einen höchst ambivalenten Charakter auf die Leinwand gebracht: den Zivilisationsverweigerer Ben, der mit seinen sechs Kindern nach eigenen Gesetzen in den Wäldern lebt. Höchste Zeit für die Auszeichnung als bester Hauptdarsteller!

Nebelschwadenbilder

Was Scorsese uns mit „Silence“ sagen will, bleibt in Schweigen gehüllt: Die Bilder, die vom Schicksal dreier portugiesischer Jesuiten im Japan des 17. Jahrhunderts erzählen, aber sind von klarer, großer Schönheit. Rodrigo Prietos Kamera fängt flüsternde Nebel ebenso eindrucksvoll ein wie die Gefängnisse, in denen die verfolgten Christen darben. Angesichts der vielen Folterszenen wäre das Prädikat „Augenschmaus“ unpassend, daher kurz: Beste Kamera.

Best-looking Alien

Kategorien gibt’s, das glaubt man kaum: Make-up und Hairstyling zum Beispiel, worin unter anderem Joel Harlow und Richard Alonzo nominiert sind. Zu Recht, denn mit Jaylah, der Alien-Amazone aus „Star Trek Beyond“, gestalteten sie einen der aufregendsten Leinwandcharaktere des Jahres.

Zwillinge in Pink

Na gut, 100-prozentig ähnlich sieht sie der wahren Jackie Kennedy nicht. Aber bei Pablo Larraíns „Jackie“ handelt es sich auch nicht um ein klassisches Biopic, sondern um eine komplexe Traumastudie, die einen Zeitraum von einer Woche rund um die Ermordung von JFK umfasst. Im Chaos der Gefühle wie zu Hause fühlt sich die großartige Natalie Portman, die Falter-Filmredaktion wählt sie dafür zur besten Hauptdarstellerin.

Plötzlich weg

Es ist ein Glück für beide Seiten, als Chiron – von seiner drogensüchtigen Mutter vernachlässigt und in der Schule gemobbt – in Juan einen väterlichen Freund findet. Dass dieser auch in sein Unglück verstrickt ist, erfährt der Bub erst später. Nach dem ersten Drittel von „Moonlight“ ward Juan nicht mehr gesehen, Mahershala Alis Spiel als tougher Dealer sowie warmherziger Ersatzvater bleibt jedoch in Erinnerung. Dafür den Besten Nebendarsteller.

Der österreichische Faktor

Bei den heurigen Golden Globes ging „Toni Erdmann“ mit Sandra Hüller und Peter Simonischek leer aus. Damit sich dieser Fauxpas nicht wiederholt, wurde Verhoevens „Elle“ gleich gar nicht für den Oscar nominiert. Für ein Übriges könnte die Ankündigung eines US-Remakes der unter österreichischer Beteiligung entstandenen deutschen Produktion sorgen – Jack Nicholson, heißt es, soll eine der Hauptrollen übernehmen.

Was fehlt: Bestes Ensemble

Leider gibt es nach wie vor keinen Oscar für die beste Ensembleleistung. Der ginge heuer an James McAvoy, der in „Split“ als Killer mit multipler Persönlichkeitsstörung 23 Rollen auf einmal spielt.

Die Oscar-Nacht im Gartenbaukino am 26.2.: Filmprogramm ab 12 Uhr, Red-Carpet-Show und Live-Übertragung der Gala nachts ab zwei Uhr


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