Zeit am Schirm

TV-Kolumne


BIRGIT WITTSTOCK
Medien | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Sie leben im Wohnwagen, verlassen die Schule noch bevor sie Teenies sind und während ihr Alltag aus Gehorsam, putzen und babysitten besteht, träumen sie in Superlativen: von einer Hochzeit, die selbst Cinderella alt aussehen lassen würde. Die britischen und irischen Traveller-Mädchen und -Frauen aus Big Fat Gypsy Weddings leben den feministischen Albtraum einer streng patriachalen Community und begegnen ihm mit Glitter, Pailletten, Spray-Tan und ziemlich ordinären Tänzen - wenn man der Serie glauben will.

Seit mehreren Jahren läuft die Channel-4-Serie über die Traveller mit all ihren Spin-offs bereits auf RTL-Living - einmoderiert als Dokumentation, sind die Gypsy-Weddings voyeuristisches Trash-TV in Reinform, eine Sammlung von übelsten antiziganistischen Klischees, eine 50-minütige Produktion gefährlicher Vorurteile. So werden in jeder Folge ungebildete, sexualisierte kleine Mädchen und gewalttätige, kriminelle Männer ausgestellt und anstatt die richtigen Fragen -oder überhaupt Fragen -zu stellen, wird einfach weiter Skandalsequenz an Skandalsequenz gereiht. Übel.


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