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IT-Kolumne


ANNA GOLDENBERG
Medien | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Die Kunst der Beschwerde wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Zeitzeugen berichten, mein erster Laut sei ein langgezogener Schrei und nicht "Danke, Mama" oder "Hallo" gewesen. Menschen, die alles super finden, sind mir seitdem suspekt. Freundlicherweise hat sich nun eine US-amerikanische App dieser Neigung angenommen. Wer "Hater" auf sein iPhone lädt und sich via Facebook einloggt, bekommt Menschen in der Umgebung vorgeschlagen, die die gleichen Dinge hassen wie man selbst.

Dafür muss man aber zuerst angeben, wie sehr man von der App vorgeschlagene Dinge hasst. Was denke ich über Powerpoint-Präsentationen? Neutral, also Klick. Polsterschlachten? Super. Ich wische nach oben. Veränderung? Okay. Wisch nach links. Teure Sandwiches? Hm, naja, kommt drauf an ...

Ist Avocado dabei? Und vielleicht ein Hauch von Mayonnaise? Nach zehn Minuten tut mein Daumen weh. Viel gehasst habe ich trotzdem nicht. Jetzt sollte ich mir die anderen User anschauen, aber die belegten Brote gehen mir nicht aus dem Kopf. Wo kann ich mich beschweren?


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