Kommentar Integration von Flüchtlingen

Angela Merkel hatte recht: Wir schaffen das sogar ziemlich gut


NINA HORACZEK
Falter & Meinung | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Auf den ersten Blick klingt die Zahl katastrophal. Mit Stichtag 31.12.2016 hatten erst 15,2 Prozent aller Flüchtlinge, die 2015 den Bescheid erhielten, dass sie rechtmäßig in Österreich bleiben und hier arbeiten dürfen, einen Job.

Betrachtet man internationale Studien, kann Österreich trotzdem stolz sein. Denn im Durchschnitt gelingt es in den ersten Jahren nur zehn Prozent der Flüchtlinge, einen Job zu finden. Österreich ist schon um fünf Prozentpunkte besser unterwegs. Sieht man sich an, wer von den Flüchtlingen 2016 schon zumindest zwei Monate in Beschäftigung war, kommt man auf 19 Prozent.

Das bedeutet noch lange nicht, dass alles gut ist. So sind zum Beispiel Flüchtlinge aus Afghanistan in den allermeisten Fällen sehr schlecht ausgebildet. Auch die vielen, vielen Jugendlichen, die alleine geflüchtet sind und auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten, müssen noch viel zu oft ihre Zeit tatenlos versitzen anstatt eine Ausbildung machen zu können. Aber es zeigt, dass Österreich entgegen aller Untergangsprophezeiungen auf einem guten Weg ist. Wer meint, 15 Prozent sei keine Leistung, soll sich überlegen, wie lange er selbst, wenn er überraschend nach China flüchten müsste, wohl braucht, um die Sprache zu lernen und eine Arbeit zu finden.

Es könnte aber noch viel besser sein. Wenn zum Beispiel die Regierung, statt ständig über Verschärfungen im Asylrecht zu streiten, endlich einmal die vielen tausenden Menschen öffentlich lobt, die in den Betrieben, in den Deutschkursen, in der Nachbarschaftshilfe mithelfen, dass Integration funktioniert. Dann würde wohl auch der eine oder andere Österreicher sich eher trauen, einem Flüchtling eine Chance zu geben.


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