Ausstellung Vernissage

Auf den Wellengängen des Kapitals

NS | Lexikon | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Die Kunstsammlerin Francesca Habsburg hat sich mit ihrer Stiftung der Rettung der Meere verschrieben. Für dieses Engagement rief die begeisterte Taucherin bereits 2015 das Projekt "The Current" ins Leben. Dabei bringt sie ökologisch interessierte Künstler und Kuratoren mit Meeresbiologen, Anthropologen und anderen Wissenschaftlern für interdisziplinäre Projekte zusammen.

Was die Globalisierung für die Ozeane bedeutet und wie sich die Seefahrt seit der Entwicklung der Containerschifffahrt verändert hat, war ein zentrales Thema der Fotoessays von Allan Sekula. Unter dem Titel "Okeanos" finden nun eine Schau und ein Symposium des 2013 verstorbenen US-Künstlers bei TBA21 Augarten statt. Die beeindruckenden Foto-Text-Zylen des Amerikaners waren 2003 in der Generali Foundation zu sehen und auch auf der Documenta 11 in Kassel.

In seinen Bildessays verknüpfte Sekula literarische und sozialhistorische Quellen mit eigenen kritischen Betrachtungen zum Kapitalismus, dessen Machtkonzentration und Ausbeutungsmechanismen. "Fish Story" heißt sein Hauptwerk, das sich den Arbeitsbedingungen von Seeleuten und Hafenarbeitern gestern und heute widmete. Ein Umweltdesaster stand im Mittelpunkt von "Black Tide/Marea negra", wo Sekula eine Öltankerkatastrophe im spanischen Galizien in den Fokus nahm. Zu den eindrucksvollen Bildern gehört der sisyphusartige Kampf der freiwilligen Helfer gegen die schwarze Flut.

Sekula hat auch Videoarbeiten produziert, von denen "Tsukiji" von 2001 auf den größten Fischmarkt der Welt führt und "The Lottery of the Sea" (2006) in tagebuchartiger Form Betrachtungen aus internationalen Häfen vermittelt. Jeden Freitag um 18 Uhr werden darüber hinaus Filme von jüngeren Künstlern wie Hito Steyerl oder Tylor Coburn präsentiert.

TBA21 Augarten, bis 14.5.


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