Film Neu im Kino

Hadern in allen Nuancen: "Fences"


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 08/17 vom 22.02.2017

Fast den ganzen Film lang will Troy Maxson einen Holzzaun um seinen kleinen Hinterhofgarten bauen. Zunächst ist es der Wunsch seiner Frau Rose (eindringlich: Viola Davis), später Troys eigenes trotziges Projekt, mit dem er sich gegen den Tod stemmt. Der Zaun als Symbol spielt im Familiendrama "Fences" eine wichtige Rolle. "Manche bauen Zäune, um Menschen draußen zu halten, und andere bauen Zäune, um Menschen drinnen zu halten", fasst Troys bester Freund und Arbeitskollege bei der Müllabfuhr, Jim Bono, es einmal zusammen. Dass er und Troys Sohn Cory später - wie ursprünglich geplant - nicht am Zaun mitbauen werden, setzt die Symbolik fort.

Regisseur und Hauptdarsteller Denzel Washington adaptierte mit "Fences" das gleichnamige, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück von August Wilson (1986). Angesiedelt im Pittsburgh der 1950er-Jahre erzählt es die Geschichte einer Patchworkfamilie - zu dieser gehören weiters Troys Bruder Gabriel und Troys älterer Sohn Lyons -, die mit Rassismus und Geldproblemen zu kämpfen hat. Vor allem aber sind es Troys Verbitterung und herrische Dickköpfigkeit, die das Beziehungsgefüge belasten.

Washington bleibt mit seinem dritten Film sehr nah am Theater: Vom Kino borgt er das (zurückhaltende) Spiel mit Räumen und Einstellungen, ansonsten setzt er auf Dialoge. In ihrer Fülle und Länge können diese, besonders wenn sie, wie es ab und zu passiert, hart an der Konstruiertheit vorbeischrammen, gewöhnungsbedürftig sein; spätestens in der inneren Nachbetrachtung aber zeigt "Fences" sich als intensives Familienbild und nuanciertes Meisterwerk über das Hadern - sei es jenes mit dem Schicksal, der eigenen Lebensgeschichte, der Rolle in der Familie, der Ehe oder sogar mit dem Hadern selbst.

Bereits im Kino (OF im Haydn, OmU im DeFrance)


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